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Die neuen Chefs im DRH in Kaliningrad: Viktor Hoffmann (rechts) und Andrej Portnjagin. Foto: th/.rufo/Kaliningrad
Sonntag, 02.12.2007

Kaliningrad: Deutsch-Russisches Haus neu geleitet

Kaliningrad. Das Deutsch-Russische Haus, eine aus Bundesmitteln finanzierte multinationale Begegnungsstätte, hat einen neuen Direktor. Erstmals in der Geschichte des Hauses ist es kein „Import“ aus Deutschland.

Gleich zwei Chefs wird das Deutsch Russische Haus künftig haben: Viktor Hoffmann, als ehrenamtlicher Direktor sozusagen fürs Repräsentative zuständig, und Andrej Portnjagin, der als Geschäftsführer eher „hintergründig“ arbeitet.

Wirklich neu ist beiden ihr neues Betätigsfeld nicht. Hoffmann gehörte als Vorsitzender von „Eintracht“, dem Kulturverein der Russlanddeutschen im Kaliningrader Gebiet, schon zu den Gründungsmitgliedern und seither auch zu den Gesellschaftern des 1993 eröffneten Hauses.

Und Andrej Portnjagin könnte quasi an seinem Schreibtisch weitermachen: Als bisheriger Vizedirektor des Deutsch-Russischen Hauses ist er für seinen künftigen Job bereits bestens eingearbeitet.

Peter Wunsch verabschiedet sich nach fünf Jahren von Kaliningrad. Foto: tp/.rufo/Kaliningrad
Im Rahmen eines kleinen Festempfangs, offiziell als Weihnachtsfeier deklariert, wurde die neue „Doppelspitze“ am 29. November in ihr Amt eingeführt – und zugleich der alte Direktor verabschiedet.

Mit Peter Wunsch verlässt einer der populärsten Deutschen nach fünfeinhalb Jahren die Pregelstadt. „Und ich muss sagen, Kaliningrad und das Deutsch-Russische Haus, sie sind mir ans Herz gewachsen“, bekannte ein bekenndender Berliner in seiner Abschiedsrede vor gut 150 geladenen Gästen.

Wobei Fans der launig-unterhaltsamen Wunsch-Reden auch in den sozusagen letzten Worten des DRH-Direktors noch einmal auf ihre Kosten kamen. (Mehr über Peter Wunschs persönliche Kaliningrad-Bilanz lesen Sie im INTERVIEW für kaliningrad.aktuell)

“Das hohe Ansehen des Hauses gefestigt“

Auch Frank Willenberg, Abteilungsleiter beim Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten im Berliner Innenministerium, würdigte in seiner Ladautio auf den scheidenden deutschen „Kulturbotschafter“ im einstigen Königsberg die große Sachkenntnis, Beharrlichkeit und Sensibilität, mit der Peter Wunsch die Einrichtung geleitet und dazu beigetragen habe, „das hohe Ansehen des Deutsch-Russischen Hauses weit über die Region hinaus zu festigen“.

Frank Willenberg hält die Festrede für Peter Wunsch. Foto: tp/.rufo/Kaliningrad
Wunsch habe mit seiner Arbeit die völkerverbindende Wirkung des Hauses, aber auch das Profil als Dienstleister für die Russlanddeutschen im Gebiet wesentlich ausgebaut, zudem die Kontakte zu den Behörden auf Gebiets- und Stadtebene gestärkt. „Das Deutsch-Russische Haus steht ja nicht auf einer Insel der Glückseligen, sondern fügt sich ein in die Probleme dieser Region.“

Politik, Wirtschaft, Kultur: Und alle, alle kamen

Wie angesehen das Deutsch-Russische Haus in Russlands EU-Enklave Kaliningrad längst ist, zeigte nicht zuletzt die Gästeliste des Abends. Ob Kommunalpolitiker, Wirtschaftsvertreter oder Mitglieder des regionalen Historiker-Klubs: Nahezu alles, was in der Kaliningrader Szene des deutsch-russischen Kulturdialogs Rang und Namen hat, war anlässlich dieses denkwürdigen vorweihnachtlichen Direktoren-Wechsel-Festempfangs zwischen Büffett und Bühne versammelt.

Mit dem deutschen Generalkonsul Guido Herz und dem Chef der Außenhandelskammer Stephan Stein erwiesen die großen Köpfe der deutschen Kaliningrad-Community dem gehenden und den beiden kommenden Direktoren die Ehre. Auch die russische Seite hatte hochrangige Vertreter geschickt.

Für die Gebietsregierung kam „Außenministerin“ Silvia Gurowa – wie üblich mit charmant vorgetragenem (und von Kaliningrads Star-Dolmetscherin Swetlana Kolbanjowa extra-professionell übersetzten) Grußwort. Und gewichtigem Geschenk: einem in rotes Leder gebundenen exklusiven Reiseführer Kaliningrad-Königsbergs.

Apropos Geschenk: Wenn Peter Wunsch alle Abschiedsgaben in seiner neuen Berliner Wohnung unterbringen will, wird er möglicherweise anbauen müssen. Vom in Glas gegossenen russischen Wappen bis zur Schiffsglocke wurde noch einmal fast alles überreicht, was russische Gastfreundschaft und Schenkfreudigkeit aufzuwarten hat.

Dem Dialog der Kulturen verpflichtet

Das Deutsch-Russische Haus versteht sich seit seiner Gründung 1993 sowohl als kulturelle Heimstatt für die im Kaliningrader Gebiet lebenden Russlanddeutschen und andere Minderheiten als auch als Begegnungsstätte im Namen eines offenen, toleranten Kulturdialogs, der Festigung der zwischenstaatlichen Beziehungen zwischen Russland und der Bundesrepublik verpflichtet.

Das Programm des Hauses reicht vom Sinfoniekonzert bis zu kostenlosen Computerkursen, der Klinkerbau am östlichen Stadtrand ist Domizil von künstlerischen Zirkeln, zeigt Ausstellungen und bietet eine kleine, aber feine deutschsprachige Bibliothek.

An dieser Ausrichtung werde sich nichts ändern, betonte die neue Doppelspitze des Hauses. Man wird es ihnen glauben. Denn hinter Viktor Hoffmann und Andrej Portnjagin steht nicht zuletzt ein gut eingespieltes Team.

(Thoralf Plath/tp/.rufo)


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