Eine Reise durch vier Länder bedeutet vier unterschiedliche Perspektiven auf Europa – praktisch vermitteln sollte das die Zugfahrt „Perspektiven: Europa“ vom 18. bis 25. Mai durch Deutschland, Polen, Russland und Litauen.
Organisiert wurde das Ganze von der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik (DGAP) in lokaler Kooperation mit dem Europainstitut Klaus Mehnert (EIKM) der Kaliningrader Technischen Universität.
Nationale Besonderheiten besser verstehen „Wenn wir in unsere Nachbarländer fahren, stellen wir fest, dass wir vieles nicht wissen. Wir müssen in den Ländern mit den Menschen reden, um zu verstehen, warum die Menschen so denken, wie sie denken“, erklärte Gereon Schuch, Leiter des Zentrums für Mittel- und Osteuropa der DGAP.
In Gesprächen vor Ort in vier Städten hatten die 60 Teilnehmer – unter ihnen Botschafter a. D., Rechtsanwälte, Wissenschaftler und Journalisten – die Möglichkeit, die nationalen Blickwinkel besser kennen zu lernen.
Der Zug war am Sonntag in Berlin losgefahren und hatte danach in Warschau Halt gemacht. Am Mittwoch hieß die Station dann Kaliningrad, wo vor allem die politische und wirtschaftliche Sondersituation der Exklave Russlands im Mittelpunkt stand. „Im Kaliningrader Gebiet verdichten sich alle Probleme der EU mit Russland“, sagte Schuch.
Von der politischen Zentrale in den historischen Dom Der Programmablauf war eng gestaffelt. Morgens wurden die Teilnehmer an der Technischen Universität feierlich begrüßt. Der Anlass war ein doppelter: Winfried Böttcher, wissenschaftlicher Leiter des EIKM, stellte das Institut vor und verlieh stellvertretend den Willy-Brandt-Preis der Sozialdemokratischen Fraktion des Europaparlaments an die besten Absolventen des Europastudiengangs.
Im Anschluss ging es direkt weiter in die politische Zentrale Kaliningrads: Gouverneur Georgi Boos hatte zu einem Treffen in die Gebietsregierung eingeladen, wo er eine Dreiviertelstunde über die wirtschaftlichen Projekte des Gebiets referierte.
Nachmittags wurde das Programm im Kant-Dom fortgesetzt: ein Podiumsgespräch zum Thema „Perspektiven des Kaliningrader Gebiets“, prominent geleitet von Alexander Rahr, Programmdirektor des Bereichs Russland/Eurasien der DGAP und Autor von Biographien über Gorbatschow und Putin.
Perspektive Tourismus Eingeladen zur Podiumsdiskussion waren Alexandra Smirnowa, seit Anfang der Woche neue Wirtschaftsministerin des Gebiets Kaliningrad, Silvia Gurowa, Leiterin der Kaliningrader Gebietsabteilung für Internationale Beziehungen, und Guido Herz, deutscher Generalkonsul in Kaliningrad.
Hauptthema der Diskussion war die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Gebiets bis 2031 (Dauer der Sonderwirtschaftszone). Dem Ausbau der Tourismus-Branche wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Das Spannungsfeld zwischen Massentourismus und Umweltschutz – besonders aktuell ist das Thema für die Kurische Nehrung – wurde dabei nicht ausgeklammert.
Kaliningrad als wirtschaftliche Musterregion Russlands „Man sieht im Vergleich zu den 90er Jahren viele positive Entwicklungen in Kaliningrad, auch wenn der Stand nicht demjenigen von Moskau oder St. Petersburg entspricht. Aber die Entwicklung ist hier viel besser als in anderen Regionen Russlands, weil das Geld aus Moskau ankommt“, sagt Alexander Rahr.
Am Donnerstag ging es für die Teilnehmer direkt zum Anschauungsunterricht raus aus der Stadt in den Oblast: Die Teilnehmer fuhren an die Ostseeküste, wo sie unter anderem die militärische Sonderverwaltungszone Baltisk besichtigten, für die Ausländer gewöhnlich noch eine spezielle Genehmigung brauchen.
Beendet wurde der Besuch in Kaliningrad mit einem Grillabend im Deutsch-Russischen Haus, bevor der Europazug am nächsten Tag seine Reise zu seiner letzten Station Vilnius fortsetzte.
Die DGAP hatte zuletzt in Kaliningrad im Oktober 2007, ebenfalls gemeinsam mit dem EIKM, das „Forum ‚Einheit Europa’ – Gemeinsame Wege in eine EUropäische Zukunft?!“ veranstaltet.
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