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Mittwoch, 28.05.2008
Kaliningrad: Eigene Siedlung für die Elite am Oberteich
Kaliningrad. Am nördlichen Oberteich, im ehemaligen Königsberger Villenviertel Maraunenhof, entsteht die Elitesiedlung „Jasnaja Poljana“. Währenddessen stagnieren die städtischen Bauarbeiten rund um den See.
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Auf dem Webeplakat von „Jasnaja Poljana“ ist ein Angriff von U.F.O.s zu sehen, der Häuser und Städte vernichtet – nur die Siedlung hält unter einem gläsernen Schutzschild unverwüstlich stand. Der Impetus ist klar: wie viel Elend und Zerstörung uns auch umgibt, hier sind wir sicher davor.
„Der beste Platz für ein schönes Leben“ – so wirbt die Firma „Elikom R. S.“ auf der Internetseite für das Bauprojekt: „Jasnaja Poljana ist ein elitärer Wohnkomplex, gelegen im historischen Zentrum Kaliningrads am Seeufer, der auf einzigartige Weise Umweltbedingungen mit drei klassischen Prinzipien elitären Wohnens verbindet: besonderer Status des Ortes, Exklusivität des Projekts und hohe Bauqualität.“
Hightech-Hochhäuser für die neue Aristokratie Eine Elitesiedlung für die moderne Aristokratie soll es werden, auf dem Platz der alten: Hier befand sich der ehemalige Königsberger Nobelstadtteil Maraunenhof, von dem auch heute noch einige Villen erhalten sind.
Nur sollen hier nicht Landhäuser und Waldschlösser entstehen, sondern hypermoderne Hochhäuser mit Fassaden aus Keramik und Glas: in fünf Hauptgebäuden will das ehrgeizige Bauprojekt 207 Wohnungen auf einer Gesamtfläche von 1,5 Hektar errichten.
Klassizistische Ästhetik soll dabei mit modernstem Hightech und hohen Umweltstandards vereint werden: Flaniergärten mit Gartenlauben bieten exklusive Erholung, während in den Wohnungen keine der modernen Annehmlichkeiten fehlen – inklusive High Speed-Internetanschluss natürlich. Verständlich, dass die Erbauer nach der Fertigstellung selbst in die Siedlung ziehen wollen, wie „Argumenty i Fakti“ berichtet.
Eigenwillige Neuinszenierung der historischen Tradition Schon der Name „Jasnaja Poljana“ (helle Lichtung) verspricht soziokulturelle Auserwähltheit in idyllischer Umgebung – ist doch die ursprüngliche „Jasnaja Poljana“ der Wohnort Tolstois, ein Landgut im Gebiet Tula südlich von Moskau, das heute ein Museum beherbergt.
Die Elitesiedlung „Jasnaja Poljana“ ist eine eigenwillige Neuinszenierung der kulturhistorischen Tradition des Ortes, die Sergej Koslow, Bauherr des Projekts, Berater der „BIN-BANK“ und Abgeordneter der Gebietsduma, erhalten will.
Privatisierung von Kulturdenkmälern gefordert Selbst Geschäftsmann, vertritt Koslow eine schnelle Privatisierung von kultur-historischen Stätten in der Kaliningrader Region, um die seit Jahrzehnten verfallenden Baudenkmäler und Parks zu sanieren. „Problematisch sind nicht nur die Menschen, die nichts tun, um diese Kulturgüter zu erhalten, sondern auch achtlose Leute, welche historisch wertvolle Anlagen ruinieren“, sagte Koslow im „Königsberger Express“.
Kulturzone Oberteich lässt auf sich warten Dabei wurde für das Projekt „Jasnaja Poljana“ auch ein Stück Kultur zerstört – der Oberteich. Indem ein kleiner Teil des Sees zugeschüttet wurde, wurde extra Bauland für die Elitesiedlung geschaffen.
Währenddessen stagnieren die städtebaulichen Arbeiten, die seit zwei Jahren auf dem Gebiet rund um den Oberteich durchgeführt werden - damals begonnen auf Initiative von Präsident Wladimir Putin.
Im Juni sollen Fußgänger- und Radwege fertig gestellt sein, aber bis jetzt sind nur die Befestigung des Sees und ein kleiner Teil des Fußgängerweges gebaut. Auch die groß angelegte Wassersäuberung des Sees ist erst zur Hälfte abgeschlossen.
„Aussichtsrad“ und Platz für Verliebte im nächsten Jahr? Im April hatte das Gebiet bekannt gegeben, dass die Gesamtfinanzierung 2008 für die Wasserbaumaßnahmen und die geplante elf Hektar große Erholungszone nochmals von 500 Mio. auf 717 Mio. Rubel (umgerechnet 19 Mio. Euro) erhöht wird.
Pläne für die Bebauung des Sees gibt es eine ganze Menge. So sollen im nächsten Jahr ein 45 Meter langes „Aussichtsrad“ und ein Platz für Verliebte - „Rotes Segel“ - mit einem Barometer-Leuchtturm am Seeufer entstehen. Außerdem sind Brücken, Springbrunnen, Cafes, Parkplätze und ein Skater-Park für Jugendliche geplant.
Bleibt zu hoffen, dass diese gemeinnützigen Projekte am Oberteich ebenso zügig voranschreiten wie der privat-kommerzielle Wohnungsbau, damit den Kaliningradern ein Teil ihres Sees zur allgemeinen Nutzung erhalten bleibt.
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