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Kaliningrader Hochhaus-Boom: Baltic-Business-Centre am Moskauer Prospekt. (Foto: Plath/.rufo)
Mittwoch, 12.03.2008

Kaliningrad: Ende des Hochhaus-Wildwuchses?

Kaliningrad. Geht es nach dem neuen Bürgermeister Alexander Jaroschuk, hat es mit den überall in der Gebietshauptstadt wachsenden oder geplanten Hochhäusern zumindest demnächst ein Ende.


Schon während des Wahlkampfes vorigen Herbst hatte Jaroschuk den wild wucherndern Kaliningrader Bauboom thematisiert und verkündet, im Falle eines Sieges „mit all den punktuellen Bauvorhaben ohne Konzept“ Schluss machen zu wollen.

Jetzt greift er erstmals durch: Das Projekt eines ultramodernen, mehr als 60 Meter hoch aufstrebenden Shopping- und Büro-Komplexes am Wassiljewski-Platz in unmittelbarer Nähe des Bernsteinmuseums wurde gecancelt.

„Einen solchen Wolkenkratzer auf dieses kleine Grundstück zu pferchen würde bedeuten, dass niemand mehr das Bernsteinmuseum und das historische Ensemble rings um den Königsberger Dohnaturm ausmachen könnte. Eine solche Schädigung der Architektur des Wassiljewskij-Platzes können wir nicht zulassen“, zitierte die „Komsomolskaja Prawda“ den Bürgermeister.

Hochhaus-Baustelle an der Königsberger Börse: Das alte Stadtbild schwindet (Foto: Plath/.rufo)
Darum sei das Bauvorhaben gestoppt worden, die Stadt plant nun laut einem Bericht des Königsberger Express die Bebauung neu auszuschreiben. Jaroschuk: „Wir sind bereit, den betroffenen Baufirmen die entstandenen Kosten zu vergüten.“

Kaliningrads Chefarchitekt Alexander Baschin ging nach der Offensive seines neuen Chefs in Deckung – und zog es vor zu schweigen. Er gilt nicht nur als Befürworter der modernen, hochhausgeprägten Stadtbebauung, viele der Projekte stammen sogar aus der Feder seines eigenen Entwurfsbüros.

Bislang saß der junge selbstbewusste Architekt mit seinen Plänen trotz heftiger öffentlicher Debatten um die städtebauliche Zukunft Kaliningrads recht fest im Sattel. Jaroschuks Veto deutet an, dass sich dies ändern könnte.

Fünf Sterne unterm Kirchenkreuz



Eine weitere lange Zeit umstrittene Großbaustelle wird der neue Rathauschefs allerdings nicht mehr aufhalten: In den nächsten Tagen soll der Grundstein für den Bau eines großen Fünfsternehotels nahe des zentralen Siegesplatzes gelegt werden.

Das Mega Center - ein neues Einkaufszentrum in Kaliningrad. (Foto: Plath/.rufo)
Hier war es bislang vor allem die Russisch-Orthodoxe Kirche, die aufbegehrte: Das Hotel störe die Dominanz der Christi-Erlöser-Kathedrale, monierte der Kaliningrader Metropolit Kyrill. Erst nachdem die Investoren daraufhin das Projekt ihrer Nobelherberge abänderten und kürzlich in einer Audienz bei Kyrill geschickt damit warben, „wie wunderschön sich die goldenen Kuppeln der Kathedrale in der Glasfassade des Hotels spiegeln werden“, gaben die Kirchenoberen ihren Segen.

Das Hotel soll zwischen der Hauptkirche und dem neuen Akropol-Kaufhaus wachsen – dem letzten freien Groß-Grundstück an der Peripherie des zentralen Platzes der Stadt.

Bauboom geht weiter



Überhaupt wird auch das Jahr 2008 in Kaliningrad von einem ungebremsten und in vielem auch ungesteuerten Bauboom geprägt sein – allen vollmundigen Strategie-Forderungen von Bürgermeister Jaroschuk zum Trotz.

Im „Fischdorf“-Viertel steht der zweite große Bauabschnitt vor der Vollendung, unweit davon soll im Lauf des Jahres der Rohbau der neuen Pregelbrücke stehen. Am Schlossteich ist zur Jahresmitte der Baustart für das neue Kaliningrader Musiktheater geplant, und im Zentralpark an der Luisenkirche soll sich das Sängerfeld zu einem riesigen Forum für Freilicht-Veranstaltungen mausern.

Die Stadtverwaltung will laut jüngst beschlossenem Haushalt für 140 Mio. Rubel (3,5 Millionen Euro) rund 200 Straßen sanieren und teilweise ausbauen lassen. Wobei erstmals auch kleinere Nebenstraßen im Programm stehen – Straßen, in denen bislang manche Schlaglöcher im Ruf stehen, Kleinwagen sang-, klang- und mühelos von der Bildfläche verschwinden lassen zu können.

Klingelnde Kassen im „Bauzentr



Alles in allem sollte also, trotz genereller Bedenken gegen manche Hochhaus-Projekte, auch Alexander Jaroschuk mit dem Bau-Jahr zufrieden sein. Schließlich ist er Besitzer der größten Baumarkt-Kette des Kaliningrader Gebietes.
Und die Kassen der zwölf „Bauzentr“-Filialen wird der Aufschwung erneut kräftig klingeln lassen. Auch ohne Wolkenkratzer am Wassiljewskij-Platz.


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