Der Initiator für die Gründung des Europainstituts Klaus Mehnert (EIKM) war Winfried Böttcher, emeritierter Professor für Politik an der RWTH Aachen und wissenschaftlicher Leiter des Studiengangs. Schon lange hegte er den Wunsch, in Russland ein Europainstitut zu gründen – und zwar nicht in der Hauptstadt, sondern irgendwo in der Region.
„Ich interessiere mich als Wissenschaftler für Regionalstudien und teile die Meinung, dass man den Regionen mehr Macht geben sollte und nicht den Zentren. Und wenn man Russland ein bisschen kennt, weiß man, dass hier alles in Moskau konzentriert ist und die Regionen in Russland Menschen verlieren“, erklärt Winfried Böttcher.
Brückenfunktion Kaliningrads nutzen Dass die Wahl für den deutschen Studiengang auf Kaliningrad fiel, hing vor allem mit der engen Bindung der beiden finanzierenden Stiftungen an die Stadt zusammen. In der Kaliningrader Staatlichen Technischen Universität (KSTU) und deren Rektor Viktor Iwanow fand Böttcher einen Partner, der bereit war, trotz aller bürokratischer Hürden das Wagnis einzugehen.
So wurde das Institut der KSTU angegliedert und konnte im gleichen Jahr den ersten Studiengang mit gerade mal 12 Teilnehmern starten.
Tatsächlich ist der Europastudiengang hier besonders aktuell, denn Kaliningrad als russische Exklave liegt Europa nicht nur geographisch näher als der Hauptstadt Moskau, sondern ist regelrecht von der EU eingekreist. „Die Region hat eine Brückenfunktion. Wenn die Russen schlau sind, werden sie sie in eine attraktive Region umwandeln“, sagt Böttcher.
Neue Kooperationspartner gewonnen In den drei Jahren seit Bestehen hat das EIKM nicht nur seine Studenten- und Dozentenzahl erfolgreich erhöht, sondern auch seine weiteren Aktivitäten ausgeweitet. Zu verdanken ist das zum großen Teil dem Koordinator Christian Welscher, der seit anderthalb Jahren die Geschicke des Instituts leitet.
Gemeinsam mit Anatoli Sagarodny, dem Leiter der internationalen Abteilung der KSTU, gelang es ihm, die Attraktivität des Instituts zu steigern und neue Kooperationspartner zu gewinnen. „Im Oktober letzten Jahres haben wir zusammen mit der DGAP das Forum „Einheit Europa“ veranstaltet, an dem Nachwuchskräfte aus elf Nationen teilgenommen haben. Für dieses Jahr haben wir schon neue Pläne“, erläutert Welscher.
Europazug von Berlin nach Vilnius Diese Pläne sind zum einen die Organisation eines Europazuges, der wiederum in Kooperation mit der DGAP stattfindet. Vom 18. bis 25. Mai fahren 45 Teilnehmer von Berlin über Warschau und Kaliningrad nach Vilnius und diskutieren ihre Eindrücke in Gesprächsrunden mit polnischen, russischen und litauischen Vertretern aus Politik und Gesellschaft. Noch nicht ganz so konkret sind die Pläne für eine Sommerschule in Minsk.
Benannt ist das Institut übrigens nach dem 1984 verstorbenen politischen Publizisten und Russlandexperten Klaus Mehnert, der sich Zeit seines Lebens für die Überwindung des Ost-West-Konflikts einsetzte.
Das EIKM ist auf einem guten Weg, den von ihm beschrittenen Weg der Verständigung erfolgreich fortzusetzen.
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