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Montag, 31.03.2008
Kaliningrad: Kunstgalerie zeigt Werke von Janssen
Kaliningrad. Die Kaliningrader Kunstgalerie zeigt in einer Sonderausstellung Werke des deutschen Zeichners und Grafikers Horst Janssen (1929-1995) - eine ebenso beeindruckende wie sehenswerte Schau.
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Zeitgenössische Kunst aus Deutschland zählt im Programm der Staatlichen Kunstgalerie am Moskowski Prospekt längst zu den festen Größen. Allein im vorigen Jahr zeigte man in drei großen Sonderausstellungen Werke des berühmten Malers Gerhard Richter, eine Auswahl der spannendsten SPIEGEL-Titelblätter und zuletzt Bilder des deutschen Avantgarde-Fotografen Gunter Sachs.
Alle drei Expositionen zählten zu den erfolgreichsten des Jahres in der Galerie: Das Interesse an Kunstschauen aus Deutschland ist groß in Russlands westlichster Region. Nun also Horst Janssen - einer der bedeutendsten und produktivsten Grafiker der deutschen Gegenwartskunst, wie Galeriedirektorin Galina Sobolozkaja zur Eröffnung sagte.
Fast 160 Radierungen zeigt die Ausstellung. Es ist ein Querschnitt aus dem immensen Werk des Künstlers: frühe Radierungen aus der Zeit zwischen 1957 und 62, Stiche aus den berühmten, Anfang der 1970er Jahre entstandenen Zyklen „Hokusais Spaziergang“ und „Hannos Tod“, Arbeiten aus der Radierfolge "Carneval di Venezia" und Einzelblätter verschiedener Werkphasen – allesamt in jener bizarren, ausdrucksstarken Bildsprache, die das Schaffen des „begabtesten Zeichners, den Deutschland je hatte“ (Henri Nannen) prägen.
Mit Selbstbildnissen berühmt geworden
Chronologisch und thematisch geordnet, zeigen die Radierungen zugleich, wie sich Janssens grafisches Können vom Ende der 50er bis zur Mitte der 70er Jahre entwickelte, wandelte, verfeinerte. Als bevorzugtes Sujet des bekennenden Naturverehrers tauchen dabei immer wieder Landschaften und ihnen entlehnte Assoziationen auf, die Janssen mit Pflanzen- und Tierstrukturen, aber auch mit seinen eigenen Gesichtszügen verbindet. Mit Selbstbildnissen dieser Art wurde er bereits früh über Deutschland hinaus bekannt.
“Letzter deutscher Romantiker“
| Koordinaten und weitere Infos |
Die Ausstellung „Horst Janssen – Radierungen“ ist noch zum 11. Mai in der Staatlichen Kunstgalerie, Moskowski Prospekt 60/62, zu sehen. Kontakt: Tel. (4012) 46 71 31, www.artmuseum-klgd.ru Dem Schaffen Horst Janssens ist in seiner Heimatstadt Oldenburg seit November 2000 ein Museum gewidmet. Auf der Homepage des Museums ist weiteres über den Künstler zu erfahren: www.horst-janssen-museum.de
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Die Bilder der Kaliningrader Ausstellung zeigen nur einen winzigen Ausschnitt aus dem mehr als 10.000 Zeichnungen, Stichen, Aquarellen, Miniaturen und Radierungen umfassenden Gesamtwerk, das Horst Janssen in seinem bewegten Künstlerleben in einer Art ununterbrochener kreativgenialer Besessenheit („Kein Tag ohne Zeichnung“) schuf – und darüberhinaus noch hunderte Gedichte, zahllose Texte, mehrere experimentelle Filme: Kaum je ein Künstler hat ein so umfang- und facettenreiches Erbe hinterlassen wie dieser „letzte deutsche Romantiker“, wie ihn Dr. Iwan Tschetschot in einer sehr bildhaft vorgetragenen Eröffnungsrede skizzierte.
Der renommierte Petersburger Kunsthistoriker, selbst ein brillanter Kenner und wohl auch Liebhaber der Werke Janssens, wird im Verlauf der Ausstellung zwei Vorträge zum künstlerischen Weg Horst Janssens halten. Die Themen: „Persönlichkeit, Porträt und Maske in der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts“ sowie „Lovis Corinth und Horst Janssen – Qualität und Quantität“.
Von solchen öffentlichen Debatten zur jüngeren deutschen Kunstgeschichte hätte in Kaliningrad noch vor wenigen Jahren wohl kaum jemand nur zu träumen gewagt.
Deutsch-russisches Gemeinschaftswerk
Die aktuelle Ausstellung in der Kunstgalerie ist ein großes deutsch-russisches Gemeinschaftsprojekt – entstanden auf Initiative und in Trägerschaft des Stuttgarter Instituts für Auslandsbeziehungen e.V. in Kooperation mit dem Goethe-Institut St. Petersburg.
Administrativ unterstützt wird das Projekt durch das deutsche Generalkonsulat, das damit einmal mehr öffentlich demonstrierte, in Kaliningrad weitaus mehr zu tun als „nur“ Visaanträge zu bearbeiten. Die Förderung solcher Projekte des kulturellen Dialogs liege ihm auch persönlich sehr am Herzen, sagt Generalkonsul Guido Herz.
Zumindest Galina Sobolozkaja muss er davon nicht mehr überzeugen: Die Chefin der Kunstgalerie dankte ihm anlässlich der Eröffnung der Janssen-Schau ausdrücklich: „Ohne die Hilfe des Konsulats wäre diese Ausstellung nicht zustande gekommen.“
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