„Unsere Besucher, die abends in unsere Ausstellung kommen, können in der oberen Etage über sich den Sternenhimmel sehen“, sagt Museumsdirektor Sergej Jakimow. Das mag etwas übertrieben klingen, doch Jakimow meint es durchaus ernst: Das Haus ist dringend sanierungsbedürftig, und am nötigsten hat es das Dach.
„Es regnet an vielen Stellen durch, und wie man sich leicht vorstellen kann, ist das nicht gut für unsere zum Teil sehr wertvollen Exponate der Ausstellungen“, sagt der Museumschef.
100 Mio. für Reparatur des baufälligen Museums geplant Rund 100 Millionen Rubel (etwa 2,8 Millionen Euro), etwa zu gleichen Teilen aus dem föderalen und dem Gebietshaushalt fließend, sind für die Restaurierung des größten Museums im Kaliningrader Gebiet eingeplant. Mit dem löcherigen Dach geht es los: Es wird derzeit erneuert, die Arbeiten sollen bis Jahresende abgeschlossen sein.
In den nächsten fünf Jahren ist schrittweise das gesamte Haus dran: sämtliche Säle, die zentrale Halle, die Fassade. Vorbild ist dabei das ursprüngliche Aussehen der Stadthalle, dem sich das heutige Museum architektonisch weitgehend annähern soll.
Qualität made in Petersburg Für die Qualität der Arbeiten steht die renommierte Petersburger Denkmalpflegefirma „Renaissance“, die auf das Restaurieren historischer Gebäude spezialisiert ist und in der Ausschreibung den Zuschlag erhielt. In Kaliningrad gibt es bis heute trotz hunderter dringend sanierungsbedürftiger denkmalgeschützter Bauten kaum Fachleute mit ausreichendem Sachverstand auf dem Gebiet der Denkmalpflege.
Das Museum für Kunst und Geschichte residiert seit 1991 in dem imposanten Gebäude am Ostufer des Schlossteiches. Erst in den 1980er Jahren war das Gebäude wiederaufgebaut worden, nachdem es jahrzehntelang als Kriegsruine sein Dasein gefristet hatte und dabei allenfalls Moskauer Filmteams diente – als Kulisse. Die zerstörten Mauern der Königsberger Stadthalle tauchen in mehr als einem Dutzend sowjetischer Kriegsfilme auf.
Ruhmreiche Geschichte der Stadthalle Vor dem Krieg beherbergte die 1911 nach Plänen des Berliner Architekten Richard Seel erbaute Stadthalle die Königsberger Philharmonie, sie war das Zentrum des musikalischen Lebens der Stadt. Der Konzertsaal galt mit 1.600 Plätzen als größter seiner Art in ganz Deutschland.
Hier traten Musiker und Künstler aus ganz Europa auf – auch aus der jungen Sowjetunion, zum Beispiel Wladimir Majakowski. Ende August 1944 versank die Stadthalle wie große Teile der historischen Königsberger Innenstadt im Bombenhagel eines verheerenden britischen Luftangriffs.
Zum Bestand des Kunsthistorischen Museums gehören neben Ausstellungen über die Geschichte, Flora und Fauna der Region auch wieder entdeckte und restaurierte Teile der legendären Königsberger Prussia-Sammlung, einer der berühmtesten archäologischen Expositionen Europas.
(Thoralf Plath/tp/.rufo/Kaliningrad)
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