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Das Fischerdorf am Pregelufer ist nur scheinbar historisch, passt sich aber in die alte Architektur ein (Foto: rufo)
Freitag, 02.05.2008

Kaliningrad: Zentrum Königsbergs soll neu entstehen

Kaliningrad. Schon bald könnte Wirklichkeit werden, was viele für immer verloren glaubten: das Zentrum Königsbergs soll in historischer Pracht wieder auferstehen – in modernisierter russischer Fassung.

Das Projekt des Wiederaufbaus des historischen Königsberger Stadtbildes im Zentrum Kaliningrads nimmt konkrete Formen an. Kürzlich stellte der Kaliningrader Stadtarchitekt Alexander Baschin auf einem Forum für „Immobilen im Gebiet Kaliningrad“ die weitere Entwicklung der alten Hansestadt vor.

Demnach soll das Zentrum in fünf Teile aufgeteilt werden: die Insel Kneiphof, das Königsberger Schloss, Löbenicht, Lastadie (Hafenbereich) und die Altstadt. Der einzige Teil, der mit staatlichem Geld gebaut werden soll, ist die Insel Kneiphof. Dort sind die Wiederherstellung der philosophischen Fakultät und die Gründung einer Universitätsstadt geplant: Bibliotheken und Wohnkomplexe für die Lehrenden und Studenten.

Historische Fassaden mit modernem Inhalt


In den anderen Stadtteilen sollen Hotels, Business-Center und Wohnraum entstehen. Dafür allerdings braucht die Stadt mindestens 1,2 Milliarden Euro, die private Investoren aufbringen sollen.

Für die Altstadt haben sich Großinvestoren bereits gefunden. Mit finanzieller Unterstützung der Hotelketten „Hilton“ und „Accor“ („Ibis“) soll auf dem 40.000 m² großen Gebiet, das sich östlich vom ehemaligen Standort des Königsberger Schlosses bis zum Pregel erstreckt, eine historische Landschaft entstehen.

Die Grundlage dafür ist ein Memorandum, das die beiden Hotelketten im März diesen Jahres auf der Gewerbemesse „MIPIM“ in Cannes mit dem Gebiet Kaliningrad unterschrieben haben (Russland-aktuell berichtete). Die Hotels sollen demnach in den historischen Architekturstil des geplanten Gebiets „eingeschrieben“ werden und beteiligen sich dafür mit insgesamt 130 Millionen an den infrastrukturellen Baumaßnahmen.

Nostalgie gepaart mit Wirtschaftsdenken


Ist für historische Genauigkeit bei dem geplanten Touristenkomplex überhaupt Platz? Alexander Baschin, der sich mit dem Thema Altstadt schon sieben Jahre beschäftigt, sieht keinen Widerspruch in der Vermischung von alten und neuen Elementen.

„Aus meiner Architektur-Arbeit habe ich zwei Erscheinungsformen nie ausgeschlossen: Geschichte und Gegenwart. Geschichte – das ist Königsberg, welches wir verloren haben, und die Nostalgie, mit der wir leben. Und das zweite ist die Gegenwart, in der wir leben. Aber die Gegenwart kann unterschiedlich sein – sie kann 25 Etagen haben oder auch sieben“, sagt Baschin.

Die Gegenwart der Gebietspolitik ist vor allem geprägt durch wirtschaftliche Abwägungen. So steht beim Projekt Altstadt die Frage im Vordergrund, wie man am Besten mehr zahlende Touristen in die Stadt ziehen kann.

„Ibis“ ist unbedingt notwendig für die Mittelklasse-Touristen, von denen es eine ganze Menge gibt. Denn jeder versteht, dass man Geld nicht durch Reiche macht. Bei uns gibt es einfach nicht so ein Hotelsystem, in dem Europäer leben könnten – nicht teuer, sondern Mittelklasse“, sagt Baschin.

Bleibt Platz für Ästhetik in Kaliningrad?


Es gibt Bedenken, dass bei dieser Sichtweise ästhetische Aspekte vernachlässigt und städtebauliche Fehler gemacht werden – Beispiele für aktuelle architektonische Fehlgriffe in Kaliningrad gibt es genug.

„Kompromisse und „Stilisierungen“ können alle Absichten töten. Die Investoren kommen, bringen Geld, machen Profit und gehen wieder. Aber wir müssen in dieser Stadt leben“, sagt der Kaliningrader Architekt Artur Sarniz, der sich für eine vollständige und originalgetreue Rekonstruktion der deutschen Altstadt einsetzt, im Interview mit der „Komsomolskaja Prawda“.

Bleibt abzuwarten, ob das Zentrum Kaliningrads eine moderne Interpretation Königsbergs mit eigenem Charakter oder nur eine billige Imitation der ehemaligen preußischen Stadt wird.


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