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Ein Vorzeigestück: die High-Tech-Orgel im Dom von Kaliningrad (Foto: Werbeprospekt)
Freitag, 06.02.2009

Steuerstreit um Orgel im Königsberger Dom

Kaliningrad. Im Königsberger Dom bahnt sich das absurde Finale eines bizarren Streits zwischen Dombaufirma und Steuerbehörde an: Der neuen Orgel droht die Zwangsversteigerung wegen Steuerhinterziehung.

Die Domorgel, ein Werk der international renommierten deutschen Orgelbaufirma Schuke, zählt seit ihrer Einweihung im Januar 2008 zu den großen Sehenswürdigkeiten Kaliningrads.

Äußerlich dem barocken Original von Josua Mosengel nachempfunden, innen ein High-Tech-Paket auf der Höhe moderner Orgelbaukunst bis hin zum Datenkabel zur "Fernsteuerung" einer kleineren Filialorgel im Langhaus, eröffnet das Instrument Möglichkeiten für grandiose Konzerte von Bach bis Widor.

Nicht nur der junge Domorganist Artjom Chatschaturow, auch fast ein Dutzend bekannter westlicher Kollegen haben davon seither regen Gebrauch gemacht. Gerade gab Oliver Laty, Kirchenmusiker in Notre Dame und einer der berühmtesten Romantik-Organisten Frankreichs, auf der Königsberger Domorgel ein Gastspiel.

Und nun das.

Die Orgel soll unter den Hammer


Die Dombaufirma "Kafedralnyj Sobor", inzwischen so etwas wie die "Betreibergesellschaft" des Königsberger Doms und als solche im Rang einer staatlichen Kultureinrichtung stehend, soll für die Orgel Steuern zahlen. Rund drei Millionen Rubel (ca. 75 000 Euro) fordert der Fiskus von Kafedralnyj Sobor.

Es ist eine Art Vermögenssteuer, zu zahlen auf den "Besitz" der Orgel. Und weil deren Chef, der resolute Dombaumeister Igor Odinzow, diese Summe nicht aufbringen kann oder will, droht die allmächtige Finanzbehörde nun mit dem letzten Mittel: Die Orgel soll unter den sprichtwörtlichen Hammer.

Dombaumeister Igor Odinzow sieht nicht ein, dass eine subventionierte Kultureinrichtung Steuern zahlen soll. (Foto: Plath/.rufo)

Steuerbefreiung abgelehnt



"Absurd" sei das, wettert Odinzow. "Wir sollen über drei Millionen Rubel zahlen, während die Tätigkeit unserer Kultureinrichtung aus dem Gebietshaushalt mit 2,6 Millionen Rubel bezuschusst wird. Woher sollen wir das Geld nehmen?"

In vielen russischen Städten, beispielsweise in St. Petersburg, seien kulturelle Einrichtungen seit 2003 von dieser Steuer befreit, so Odinzow.

"Wir haben im Bemühen darum, auch so eine Vergünstigung zugesprochen zu bekommen, hier in Kaliningrad an jede nur mögliche Tür geklopft. Denn das Geld, das wir im Dom mit dem Museum und den Orgelkonzerten einnehmen, benötigen wir dringend für die Fortsetzung der Restaurierungsarbeiten und den laufenden Unterhalt der Orgel. Aber unsere Finanzbehörde ist taub für solche Argumente."

Kultureinrichtungen werden staatlich subventioniert - damit sie Steuern zahlen können



Alle öffentlichen Kultureinrichtungen müssen in Kaliningrad für ihr Inventar noch Steuern zahlen - Museen für ihre Exponate, Bibliotheken für ihre Bücher, Galerien für ihre Bilder. Warum das so ist angesichts der ohnehin gnadenlosen Unterfinanzierung der Kultur im Gebietshaushalt, bringt die Bürokratie in Verlegenheit.

Erst recht im Fall der Orgel - ein Kaliningrader Vorzeigeobjekt, das - besonders pikant - auf persönliche Initiative von Wladimir Putin mit umgerechnet 2,5 Millionen Euro aus dem staatlichen Kulturfonds finanziert wurde.

"Natürlich darf man die Steuergesetze nicht verletzen, aber wir werden hier einen Ausweg finden", meint der zuständige Abteilungsleiter des Kaliningrader Kulturministeriums, Alexej Nagornyj.

Doch die Steuerinspektion bleibt vorerst hart. Darum zieht der absurde Steuerstreit mittlerweile weitere Kreise und wird demnächst sogar das Parlament beschäftigen: Die Gebietsduma hat das Thema Königsberger Domorgel auf die Tagesordnung ihrer nächsten Sitzung gestellt.

Thoralf Plath, Kaliningrad

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