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Montag, 13.10.2008
Der russische Gast ist für Österreich besonders wertvoll
Moskau. „Ich glaub, die Russen kommen“ – was im Kult-Comic „Werner“ eher wie eine Drohung klingt, versucht die Österreich-Werbung (ÖWE) zu erreichen. Ein Interview mit dem ÖWE-Direktor in Moskau, Emanuel Lehner.
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R-A: Was macht die Österreich Werbung (ÖWE) im Ausland?
Lehner: Die ÖWE vermarktet im Ausland die Marke Urlaub in Österreich. Wir sind in 40 Märkten tätig, eins unserer Büros ist in Moskau. Noch betreuen wir von hier aus die GUS, aber wir werden unsere Ressourcen in Zukunft auf Russland und die Ukraine fokussieren, da sie strategisch wichtig sind.
R-A: Wieviele Russen machen denn in Österreich Urlaub?
Lehner: 2007 waren es 178.000, in diesem Jahr sind wir dank der Fußball-EM deutlich darüber. Aber auch die anderen Sommermonate waren sehr erfolgreich. Ich schätze, dass wir am Jahresende bei einem Plus von 40 Prozent rund 240.000 – 250.000 Besucher aus Russland haben werden.
R-A: Lässt sich eine Entwicklung ablesen oder liegt das Plus nur an der EM?
Lehner: Selbst wenn wir den Juni mit dem Plus von 200 Prozent ausklammern, haben wir eindeutig einen Aufwärtstrend. Es sind etwa 30 - 40 Prozent mehr im Monat.
R-A: Welche Art von Tourismus bevorzugen die Russen?
Lehner: Noch kommen etwa 2 Drittel der Russen in der Wintersaison, 1 Drittel im Sommer, wobei sich die Sommertouristen auf die klassischen Städtetouristen, d.h. in erster Linie Wienurlauber, und die Sommerfrischler aufteilen. Viele entdecken die Gebiete, die sie aus dem Winter kennen, nun im Sommer, z.B. Bad Gastein oder Zell am See.
R-A: 200.000 Urlauber ist kein Spitzenwert. Welche Bedeutung haben russische Touristen?
Lehner: In Zahlen sieht das vielleicht sehr wenig aus. Russen und Ukrainer machen zusammen etwa 1 Prozent der Touristen aus. Andererseits ist dies der Markt, der neben Rumänien am stärksten wächst – trotz der Visapflicht. Zudem ist der russische Gast durch den Ferienkalender für Österreich im Winter besonders wertvoll. Wenn die Deutschen früher nach Weihnachten heimfuhren, hatten wir ein kleines Loch. Die Russen stopfen nun dieses Jänner-Loch. Wenn 200.000 Russen im Jahr kommen, dann sind 50.000 von ihnen im Jänner da. Im Nationenranking liegt Russland im Jahr auf Platz 12, im Jänner auf Platz 5, in Wien sogar auf Platz 2.
R-A: Geben Russen viel Geld aus?
Lehner: Die Statistiken sind mit Vorsicht zu genießen, aber tatsächlich neigen Russen nicht besonders zum Sparen, sondern kaufen eher mehr. Diese Mentalität kommt den Geschäftsleuten in Österreich sehr zugute.
R-A: Russische Oligarchen sind auf Einkaufstour in Europa. Alexej Mordaschow hat sich bei der TUI eingekauft, Öger Tours gehört dem Milliardär Alexander Lebedew. Gibt es solche Übernahmen auch in der Tourismusbranche von Österreich?
Lehner: In Österreich gibt es nur ein Unternehmen, das über 1.000 Mitarbeiter hat – das österreichische Verkehrsbüro. Ansonsten ist die Branche sehr klein strukturiert und somit für einen russischen Oligarchen möglicherweise weniger attraktiv als die TUI.
Zur Person: Emanuel Lehner ist Direktor des ÖWE-Büros in Moskau. Seit 2004 ist er in Russland. Davor arbeitete er im Berliner Büro der ÖWE.
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