St. Petersburg. Kaum ist der Schnee weg, zeigen sich die Folgen des Rekordwinters: Die Straßen sind in erbärmlichem Zustand, zum Graus der Autofahrer. Die Stadt bewilligt eine Milliarde Rubel und 100 Tage Zeit – zu wenig.
Das Internetportal Fontanka.ru hat einen Fotowettbewerb ausgerufen, um den schlechtesten Fahrbahnen auf die Spur zu kommen. Nach Meinung der Petersburger hat der Dobroljubow-Prospekt auf der Petrograder Seite die Nase vorn in diesem Negativ-Rating.
Einen Wettbewerb der anderen Art schreibt jetzt die Stadtregierung im Smolny aus – sie sucht nach Firmen, die den maroden Straßenbelägen wieder ein annehmbares Outfit verpassen sollen. Bis Ende Mai wird sollen die Unternehmen feststehen.
Sie bekommen alles in allem eine Milliarde Rubel (knapp 25,5 Millionen Euro) und 100 Tage Zeit – Ende August sollen die Petersburger Straßen also wieder in Ordnung sein. Alle Beteiligten wissen allerdings schon jetzt, dass die Mittel nicht ausreichen.
Die Schonzeit nach dem Jubiläum ist vorbei
Mit dem Geld können nur 4,9 Prozent der nötigen Arbeiten ausgeführt werden. Vor allem geht es darum, die vielen Löcher im Asphalt und die Spurrillen zu beseitigen, die den Autofahrern das Leben jetzt so schwer machen.
Auch im Smolny ist jedem klar: Mit kosmetischer Reparatur wird das Problem nicht beseitigt. Selbst offiziell wurden 2009 36 Prozent der Petersburger Fahrbahnen als „unfallgefährlich“ eingestuft, das sind acht Prozent mehr als 2008.
Wie die Statistik 2010 aussieht, ist noch unklar, vom Gefühl her schätzen die Petersburger die meisten Straßen als gefährlich ein. Damit wird klar: Spätestens der harte Winter 2009/2010 hat den Kredit aufgebraucht, den die Straßen nach der Generalüberholung vor dem 300. Stadtjubiläum von 2003 bekommen hatten.
Zusatzfinanzierung ist nötig
Die heikle Lage zwingt die Stadt, im Haushaltsplan Korrekturen vorzunehmen. So sollen weitere vier Milliarden Rubel (ca. 100 Millionen Euro) für den Straßenbau bewilligt werden, verlautet aus dem Komitee für Verkehrswesen.
Aber auch dort wird zugegeben: Die Situation auf den Petersburger Straßen wird kaum besser werden als 2009 – trotz der immensen Arbeiten und bewilligten Gelder. Den Petersburgern steht derweil ein Sommer voller gesperrter Straßen, Umwege und Staus bevor – ein Déjà-vu aus Vorjubiläums- zeiten!