„Atompilz“ über Petersburg war eine Wetterkapriole?
St. Petersburg. Am Freitagmorgen hing über dem Norden von Petersburg eine riesige Wolke, die in ihren Formen an einen Atompilz erinnerte. War der Auslöser das seltsame Wetter oder steckt eine technische Katastrophe dahinter?
Beunruhigte Bewohner der nördlichen Neubaugebiete fotografierten den „Atompilz“ und schickten die Bilder an das Internetportal „Fontanka.ru“. Daraufhin erklärte die Leitung des Kalinin-Stadtbezirks, es sei nichts Besonderes passiert, es sei „einfach nur eine Wolke“, die „aufgrund der Wetterbedingungen entstanden ist“.
„Es war einfach so ein Wetter – in manchen Stadtbezirken hat es geregnet, in anderen schien die Sonne“, sagte ein Vertreter der Verwaltung. Auch die lokale Katastrophenschutzbehörde bestätigte, es habe in Petersburg keine „technischen Katastrophen“ gegeben.
Über oder auf der Erde
Petersburgs Chef-Meteorologe Alexander Koljossow erklärt dazu: „Gestern gab es Nebel, aber die herrschen am Morgen. Natürlich kann sich eine Pilzwolke entwickeln; gestern gab es Haufenwolken. Aber das passiert in großer Höhe. An der Oberfläche gibt es solche Erscheinungen nicht.“
Die Fotos zeigen allerdings, dass sich die Wolke ziemlich dicht über der Erde befunden haben muss. Der „Atompilz“ hat aber offensichtlich eine Folgen gehabt, denn in Petersburg läuft das Leben „am Tag danach“ weiter, wie gehabt.
Möglicherweise gibt es eine ganz profane Erklärung: Die Wolke steht genau über dem großen Heizkraftwerk in Olgino am Finnischen Meerbusen. Vielleicht wurde dort einfach nur Dampf abgelassen?
Kiew in Angst und Schrecken
Im Juli 2009 hatte sich in der ukrainischen Hauptstadt Kiew etwa Ähnliches zugetragen. Die Bewohner kriegten es mit der Angst zu tun, weil sie sich natürlich sofort an den Super-GAU in Tschernobyl erinnerten
Nach wenigen Stunden war der „Pilz“ aber wieder verschwunden. Das ukrainische Wetteramt erklärte die Anomalie mit einer als Amboss bezeichneten seltenen Wettererscheinung, bei der die Wolken sich erst vertikal aufbauen und sich dann horizontal ausbreiten.
Gefahr gehe von solchen Wolken nicht aus. Nur wenn der „Pilz“ sich auf zwölf bis 13 Kilometer aufbaue und die Temperatur im Innern stark abfalle, könnte es auch im Sommer auf der Erde zu Eisbildung kommen.