Galgenfrist für Straßenbahnen auf der Petrograder Seite
St. Petersburg. Auf dem Prospekt Doborljubowa, dem Kronwerkski und der Uliza Kujbyschewa werden auch in Zukunft Trams verkehren. Im Endeffekt ereilt sie jedoch das Schicksal so vieler Linien in der Petersburger Innenstadt.
Als zu Anfang der Woche die Schienen am Prospekt Dobroljubowa entfernt wurden, ging sofort die Kunde, die Straßenbahnen würden nun auch vom Südteil der Petrograder Seite verschwinden. Dem ist nicht so, beteuern die Verantwortlichen.
Nach den Worten von Boris Muraschow, dem Vorsitzenden des Petersburger Komitees für die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur, kommen die Schienen nach Beendigung der Straßenarbeiten wieder an ihren Platz.
In Perspektive ineffektiv
Grund zur Beruhigung haben die Freunde der „Elektrischen“ allerdings nicht, denn in sieben, höchstens zehn Jahren soll die Tram durch Busse ersetzt werden, sagte Muraschow gegenüber dem Petersburger Stadtportal Fontanka.ru.
Vielleicht sind es auch nur die mangelnden Finanzen, die dem ökologisch sauberen Verkehrsmittel eine Gnadenfrist gewähren. Für den Umstieg auf Busse zwischen Petrowski-Stadion und Panzerkreuzer Aurora sind mindestens 200 Millionen Rubel (5,8 Millionen Euro) vonnöten. Und die hat die Stadt zurzeit nicht.
In den kommenden sieben bis zehn Jahren plant Petersburg nicht, eine weitere traditionelle Straßenbahnroute abzubauen, so wie es in der Innenstadt seit Jahren an allen Ecken und Enden passiert. Aber langfristig wird sie wegen „Ineffektivität“ verschwinden.
Neue Schienen ohne Nutzen?
Auf der betroffenen Strecke werden natürlich auch die Schienen ausgewechselt, die dann „noch einmal zehn bis zwölf Jahre dienen können“. Die Frage ist nur, ob sie auch in Anspruch genommen werden.
Möglicherweise kommt es im Endeffekt so wie auf der Sadowaja Uliza: Mit großem finanziellen Aufwand wurde das Gleisbett modernisiert, die Arbeiten zogen sich über Jahre hin.
Und was sehen wir heute: Auf dem größten Teil der Strecke zwischen Troizki-Brücke und Repin-Platz liegen die Schienen ungenutzt da, weil fast alle Trams aus dem Verkehr gezogen wurden.