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Wird er nun doch gebaut, der 400 Meter hohe Gazprom-City-Turm? (Foto: Archiv)
Freitag, 18.09.2009

Gazprom-City: Matwijenko hat das letzte Wort?

St. Petersburg. Der Bau des knapp 400 Meter hohen Gazprom-Wolkenkratzers steht kurz vor der Genehmigung. Das letzte Wort hat zwar die Petersburger Gouverneurin, aber dem werden sicher langwierige Gerichtsstreitigkeiten folgen.

Wer glaubte, das heiß umstrittene Projekt zum Bau eines Geschäftszentrums mit dem Arbeitsnamen Ochta-Center oder Gazprom-City hätte sich durch die Finanzkrise von selbst erledigt, hat sich getäuscht.

Am Donnerstag sprach der städtische Ausschuss für Bodennutzung und Bebauung der Stadtregierung die Empfehlung aus, den 396 Meter hohen Gazprom-Büroturm zu genehmigen. Eine entsprechende Abstimmung zu dem Projekt endete mit elf Ja- und drei Nein-Stimmen.

„Alles liegt ausschließlich am Status von Gazprom“


Eigentlich darf in dem Stadtteil gegenüber dem historischen Areal mit dem Smolny-Kloster und der Smolny-Kathedrale kein Gebäude höher als 100 Meter sein. Aber „Gazprom hat alle erforderlichen Dokumente für eine Sondergenehmigung vorgelegt und alle nötigen Anhörungen haben stattgefunden“, so Vizegouverneur Roman Filimonow nach der Sitzung.

Beobachter betonten, Gazprom hätte sich durch die vielen Steuergelder, die in den Haushalt fließen, „sehr um die Stadt verdient gemacht“ und diese Genehmigung sozusagen verdient. Für alle anderen Investoren würde es nicht so leicht sein, die Begrenzungen für die Bauhöhe zu umschiffen.

Alexej Redosubow, Leiter der Projektierungsfirma „Petropol“, sagte gegenüber der Internetzeitung „Fontanka.ru“: „Natürlich liegt es nur am Status des Unternehmens. Andere werden solche Begünstigungen nicht bekommen.“

Sichtbar oder unsichtbar?


Bei der Sitzung wurde ein 3-D-Computermodell gezeigt, das die Frage beantworten sollte, ob der Wolkenkratzer sich negativ auf die Ansicht der historischen Innenstadt auswirkt. In 44 Einstellungen ist der „Maiskolben“ einsehbar, zum Beispiel vom Newski Prospekt oder der Landspitze der Wassili-Insel aus.

Die meisten Mitglieder des Ausschusses fanden das aber weniger schlimm. Filimonow meinte gegenüber der Zeitung „Kommersant“, es werde dadurch „kein Einfluss auf das historische Panorama ausgeübt“, und der Parlamentsabgeordnete Viktor Jewtuchow schwärmte sogar, der lange Bau würde „die Majestät der Stadt nur noch unterstreichen“.

Die Gegner geben nicht klein bei


Genau die Tatsache, dass der 400 Meter hohe Wolkenkratzer vom Stadtzentrum aus zu sehen sein wird, ist das Hauptargument der Gegner des Prestige-Objekts. Das Reglement für die Denkmalschutzzonen verbietet dort nämlich jede (auch rein visuelle) Einmischung von modernen Bauten.

Gegen die geplante Ochta-City hat sich ein ganzes Bündnis aus verschiedenen Parteien und Vereinen zusammengeschlossen. Sollte der Smolny grünes Licht für den Bau erteilen (dies könnte bereits am kommenden Dienstag bei der nächsten Sitzung der Stadtregierung geschehen), werden die Gegner vor den Kadi ziehen und die Entscheidung anfechten.

Ein kurzer Rückblick


Vor vier Jahren hatten Gazprom und die Petersburger Stadtregierung beschlossen, an der Stelle, wo das Ochta-Flüsschen in die Newa mündet und einst die schwedische Festung Nienschanz stand, ein hochmodernes Geschäftszentrum aus dem Boden zu stampfen.

Das Rennen um das Projekt machte das englische Architekturbüro RMJM; am Herzstück des Entwurfs, einem knapp 400 Meter hohen Büroturm, schieden sich in der Folgezeit die Geister. Gegner sehen in dem Vorhaben eine grobe Verletzung der die Stadt beherrschenden horizontalen Bebauungslinie.

Sie fürchten, der Wolkenkratzer könnte zum Präzedenzfall werden, der die Zerstörung der historisch gewachsenen Innenstadt nach sich zieht. Auch die UNESCO, die Petersburg auf ihrer Weltkulturerbeliste stehen hat, warnt vor einer Aufweichung der strengen Schutzgesetze.

2008 zog Petersburg seine Anteile von 41 Prozent aus dem Geschäft mit Gazprom zurück. Angesichts der Wirtschaftskrise, unter der auch der bisher als omnipotent geltende Gasmonopolist zu leiden hat/te, waren viele Petersburger davon ausgegangen, das ambitiöse Projekt sei zu den Akten gelegt worden.


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