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Ben van Berkel setzt einen Eisberg ins Petersburger Zentrum. (Foto: renavigator.ru)
Mittwoch, 22.07.2009

Holländer bauen einen Eisberg für die Ejfman-Truppe

St. Petersburg. Am Dienstag fiel die Entscheidung um den Bau des Tanzpalastes für die Ejfman-Balletttruppe. Den Zuschlag bekam ein holländisches Projekt. Heute wurde über die Teilnahme am Wettbewerb zum Mariinski-2 entschieden.

Jahrelang ging nichts vom Fleck – weder an der „Europa-Uferstraße“ auf der Petrograder Seite, wo die bisher heimatlose Balletttruppe von Boris Ejfman einen „Tanzpalast“ erhalten soll, noch beim neuen Bau für das Mariinski-Theater am Krjukow-Kanal. Nun werden beide Vorhaben innerhalb von zwei Tagen vorangebracht.

Als erstes fällte die Jury ihr Urteil über die Bühne für die Ejfman-Truppe. Vier Entwürfe waren ins Rennen gegangen (Russland-Aktuell berichtete), die eigentlich alle nicht recht den Wünschen des Maestro Ejfman entsprachen, der sich mit seinem modernen Ballett weltweit einen Namen gemacht hat.

Der Eisberg hat die Nase vorn

Nicht zu viel Glas und keine Räume unter der Erde wollte Ejfman haben – dieser Forderung kam aber keiner der Architekten nach. Die Jury entschied sich schließlich fast einstimmig für den Entwurf des Holländers Ben van Berkel aus dem UN Studio, aus dessen Feder übrigens das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart stammt.

Berkels Theatergebäude erinnert mit seinen fließenden Formen und der weißen Außengestaltung an einen Eisberg. Die von Petersburgs Gouverneurin Valentina Matwijenko geleitete Jury betonte, der holländische Entwurf „passe sich als einziger hervorragend in die Situation ein“.

„Die Situation“ wird geschaffen von dem bereits angenommenen Entwurf für die Bebauung der „Europa-Uferstraße“, in deren Zentrum Ejfmans Tanzpalast stehen wird. Die Petersburger Architekten Tschoban und Gerassimow hatten hierfür eine eher klassische Variante vorgegeben, die sich gut in die alte Bebauung im Stadtzentrum einpasst.

Nouvel zieht zum zweiten Mal eine Niete

Für die Jury liegt gerade in der „harmonischen Kombination von Tradition und Neuerung“ der größte Vorzug des holländischen Projekts. Der Franzose Jean Nouvel mit seiner schwarzen Halbkugel, die vor dem Wettbewerb als Favorit gegolten hatte, bekam indes keine einzige Stimme der Jury.

Damit endet sein Versuch, etwas für St. Petersburg zu bauen, schon zum zweiten Mal mit einer Niederlage. Auch beim Wettbewerb um den (höchst umstrittenen) Gazprom-Wolkenkratzer war er leer ausgegangen.

Wer baut Mariinski-2?

Die Kosten für das Gebäude sollen sich voraussichtlich auf 80-100 Millionen Dollar belaufen. Skeptiker sind allerdings der Meinung, es könnte auch leicht das Doppelte werden – die Erfahrung mit der zweiten Bühne des Mariinski-Theaters macht eine solche Entwicklung wahrscheinlich.

Wer das neue Mariinski bauen darf, entscheidet sich am 28. Juli. Favorit ist ein kanadisches Architektenbüro, das von Mariinski-Chef Valeri Gergijew persönlich eingeladen wurde. An dem Wettbewerb nehmen fünf von ursprünglich neun Bewerbern teil, wurde am Mittwochnachmittag entschieden.


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