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Montag, 01.02.2010
Inadäquat: Norman Foster ist raus aus Neu-Holland
St. Petersburg. Der britische Stararchitekt Norman Foster wird die Insel Neu-Holland nicht rekonstruieren. Die Petersburger Stadtregierung findet den vor vier Jahren abgesegneten Entwurf jetzt „inadäquat“ – und zu teuer.
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Seit geraumer Zeit geschah auf der Insel am westlichen Ende des Petersburger Stadtzentrums eh nichts – seit dem russischen Oligarchen Schalwa Tschigrinski wegen der Krise die Konten eingefroren sind, ist der Geldfluss versiegt und die Baustelle liegt brach (Russland-Aktuell berichtete).
Jetzt entschied die Stadt, mit dem klammen Investor auch den Architekten aus dem Geschäft zu kicken. Damit geht Norman Foster den Weg seines französischen Kollegen Dominique Perrault, der nur einen Steinwurf weiter die neue Mariinski-Bühne hätte bauen sollen und dem der Auftrag ebenfalls entzogen wurde.
Zum wiederholten Male beißt sich damit ein bekannter westeuropäischer Baumeister am „Venedig des Nordens“ die Zähne aus. Ihm zieht Petersburg das Moskauer Büro „Mosprojekt-2“ von Michail Possochin vor, das z. B. die Moskauer Manege nach dem Brand wiederaufgebaut hat. Possochin soll bis Ende Februar einen neuen Entwurf vorlegen.
Klimatisch und finanziell untauglich Fosters Projekt eines sternförmigen Festivalpalastes auf der Insel befindet die Stadtregierung inzwischen als „klimatisch und finanziell inadäquat“, schreibt der „Kommersant“ am Montag. Neu ist das nicht – schon 2008 gab es Diskussionen, dass der weiche Petersburger Grund Fosters Bauten nicht tragen würde und das ganze Projekt viel zu teuer sei.
Damals wurde klar, dass erstens die Fristen für die Fertigstellung des Kultur- und Freizeitzentrums auf Neu-Holland sich von 2010 auf 2012 verschieben und zweitens die Kosten um das 2,5-fache auf mindestens 800 Millionen Dollar steigen würden.
Jetzt geht die Rekonstruktion der Insel also in eine neue Runde. Ein Informant des „Kommersant“ will wissen, dass Possochin aus den fünf einzelnen Objekten einen „einheitlichen vereinfachten Gebäudetrakt“ machen will. Was das konkret bedeutet, wird sich bald zeigen.
„Traditionen von Luschkows Neubauarchitektur“ Die Petersburger Architektengemeinde ist nicht gerade heiter gestimmt über die Auswahl des Moskauer Büros. Laut meint Nikita Jawejn vom „Studio 44“ ist Possochins Planungsart „aggressiv und gefährlich“ und zudem in klassisches Beispiel für die „Traditionen von Luschkows Luschkows Neubauarchitektur“ – nicht gerade ein Lob für die Städtebaupolitik des Moskauer Bürgermeisters.
Andrej Bokow, Leiter des Petersburger Architektenverbands, findet die Absage an Foster gut, aber für ihn „schlagen die radikalen westlichen Ideen eine Bresche in die Gesetzgebung (…) und öffnen Developern den Weg, in das feine Gewebe von Neu-Holland ohne jeden Wettbewerb konservative Architektur zu integrieren“.
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