Kabelschaden wohl Ursache für Petersburger Blackout
St. Petersburg. Der Grund für den umfassenden Stromausfall, der am Freitagabend die Hälfte der Newa-Metropole lahmlegte, ist womöglich ein Kabelschaden in einer Verteilerstation. Die Stadt war kurz vor einer Massenpanik.
Am frühen Freitagabend fiel in neun Stadtbezirken und drei Bezirken des Leningrader Gebiets der Strom aus. In Petersburg war ein großer Teil des Stadtzentrums und mehrere Bezirke im Norden betroffen. In Privathaushalten und sozialen Einrichtungen gab es kein Licht, vielerorts auch kein Wasser.
Wilde Gerüchte: Super-GAU im AKW?
Metrozüge blieben in den Tunnels stecken, Vorort- und Fernzüge hielten plötzlich auf freier Strecke. Auf dem Newski Prospekt standen die O-Busse. Menschen waren in Geschäften gefangen, deren automatische Türen den Dienst verweigerten.
Bankautomaten funktionierten nicht, in den Geschäften gaben die Kassen den Geist auf, an Tankstellen war das „Plastikgeld“ nichts mehr wert. In Lebensmittelgeschäften bildeten sich lange Schlangen – die Menschen wollten Wasser und Grundnahrungsmittel bunkern.
Keiner wusste, was passiert war. Und keiner hatte einen Plan, wie mit solch einer Situation umzugehen sei. Für den totalen Stromausfall gäbe es keine Handlungsvorgaben, mussten hinterher sowohl Stadtregierung wie Katastrophenschutz zugeben.
In der Stadt gingen wilde Gerüchte um: War womöglich das Atomkraftwerk im nur wenige Dutzend Kilometer entfernten Sosnowy Bor in die Luft geflogen? Dem war – Gott sei Dank! – nicht der Fall, dort lief alles wie gehabt; die Panne hatte überhaupt keinen Einfluss auf seine Arbeit.
Absolute Abhängigkeit offenbart
Die Ursache für den Blackout sehen Experten jetzt in einem Kabelschaden in der Unterstation „Wostotschnaja“ im Gebiet Leningrad. Die technische Störung zog eine automatische Stufenabschaltung von mehreren Elektrizitätswerken nach sich, schreibt RIA Novosti unter Berufung auf den Stromversorger.
Die wirtschaftlichen Verluste des 45-minütigen Petersburger Blackouts lassen sich sehen: Sie werden auf 100 bis 300 Millionen Rubel (2,6 bis 7,7 Millionen Euro) geschätzt.
Der Zwischenfall zeigt ein weiteres Mal, wie abhängig der Mensch inzwischen von der Elektrizität ist. Fällt sie aus, bricht das Chaos auf. Petersburg will aus dem Fehler zumindest eine Lehre ziehen und das System der Notstromversorgung erheblich ausweiten.