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Eine Szene aus den mit Farbe unterlegten 17 Augenblicken. (Foto: newsru.com)
Montag, 04.05.2009

Kommunisten gegen 17 Augenblicke des Frühlings in Farbe

St. Petersburg. Die KPLO will den Kanal Rossija verklagen. Der Sender hat den Kultfilm „17 Augenblicke des Frühlings“ in Farbe umgesetzt – für die Kommunisten ein Sakrileg. Der aufgefrischte Zwölfteiler startet heute.

Die KPLO (Kommunisten von St. Petersburg und dem Leningrader Gebiet) will die Fernsehmacher wegen „Verletzung der Rechte der Fernsehzuschauer“ verklagen. Denen würde „das ursprüngliche Produkt in Schwarzweiß in verzerrter Form angeboten“, so Sergej Malinkowitsch, Vorsitzender des ZK der KPLO.

Auf ihrer Website bezeichnet die für ihre ausgefallenen und zuweilen verschrobenen Standpunkte bekannte KPLO die neue Farbversion des Sowjetklassikers von 1973 als „Telediversion“.

Die Kultfiguren des Streifens – der Agent Stierlitz, die Funkerin Kät, Pastor Schlag und Professor Pleischner – seien in der ursprünglichen Version „wie aus Stein gemeißelt“ und würden nun hoffnungslos verschandelt.

Pünktlich zum Jahrestag des Sieges

Die Farbversion des Spionenepos „17 Augenblicke des Frühlings“ sendet Rossija vom 4. bis 8. Mai, pünktlich zum 64. Jahrestag des Sieges der Sowjetarmee über Hitler. Ein Vertreter des Fernsehsenders sagte gegenüber Interfax, die aufgefrischte Variante solle dem Zuschauer „neue, positive Eindrücke geben“.

Der 1973 gedrehte 12teilige Film erzählt die Geschichte von Standartenführer Max Otto von Stierlitz, der in Wirklichkeit der sowjetische Spion Maxim Issajew ist. Kurz vor Kriegsende soll er im Auftrag Moskaus den Abschluss eines Separatfriedens zwischen Hitlerdeutschland und den Westmächten vereiteln.

Zum Teil haarsträubende Forderungen der Petersburger Kommunisten

Die „Kommunisten von St. Petersburg und dem Leningrader Gebiet“ tun sich seit Jahren durch skurrile Forderungen hervor. So forderten sie erst im Januar, Sowjetstaatsgründer Lenin postum den Titel eines „Helden Russlands“ zu verleihen.

Im letzten Jahr appellierten sie an die Russisch-orthodoxe Kirche, den Diktator Stalin heilig zu sprechen. Das Kino hat es den Verfechtern einer sozialistisch sauberen Kultur ganz besonders angetan. So beschuldigten sie das letzte Bond-Girl Olga Kurilenko des „Verrats“, die Komödie „Hitler kaputt!“ wollten sie gleich ganz verbieten.

Witz, PR-Aktion oder Provokation?

Als Nationalspieler Andrej Arschawin auf der Suche nach einem Klub war, warf die KPLO ihm vor, er würde „den raffgierigen westlichen Vereinen seinen Körper zum Kauf anbieten“. Dies „rufe ein Gefühl der Scham und des Ekels hervor“, meinten die Kommunisten.

Die russische Öffentlichkeit ist sich derweil gar nicht sicher, ob die skurrilen Standpunkte der KPLO nicht doch als Witze gemeint sind oder ob damit Aufmerksamkeit geschindet werden soll oder ob sie einfach als Provokation gedacht sind.

Auf alle Fälle sind sie für die Massenmedien ein gefundenes Fressen. Warum auch nicht, bieten sie doch eine willkommene, erfrischende Abwechslung zu den üblichen Negativmeldungen. Übrigens: Keine einzige der absurden Forderungen wurde bisher befriedigt.


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