Kremlpartei erleidet in St. Petersburg große Schlappe
St. Petersburg. Peinlich für „Einiges Russland“, aber wahr: In der Heimatstadt ihrer Zugpferde Putin und Medwedew bekommt die Kreml-Partei nur 32,5 Prozent der Stimmen. Ihre Petersburger Negativtendenz setzt sich damit fort.
In der Nördlichen Hauptstadt ticken die Uhren traditionell etwas anders als im restlichen Russland. Auch was die Wählergunst angeht. Bereits 2007 hatte „Einiges Russland“ in Putins und Medwedews Heimatstadt mit knapp über 50 Prozent der Stimmen einen saftigen Denkzettel bekommen – das Ergebnis lag 14 Prozent unter Landesdurchschnitt.
Ein Minus von 18 Prozent
2011 kommt es noch dicker: Nun vereint ER schlappe 32,5 Prozent der Petersburger Stimmen auf sich, also 18 Prozent weniger als vor vier Jahren. Es sind ebenso 18 Prozent weniger als am Sonntag in Russland insgesamt für die Beamtenpartei gestimmt wurde.
Einen wahren Höhenflug erlebt dagegen die sogenannte „kleinere Kreml-Partei“ „Gerechtes Russland“ – mit satten 25,3 Prozent liegt sie nur sieben Zähler hinter der Putin-Partei und hat ihr Ergebnis von 2007 um zehn Prozent ausgebaut.
Während die rechtsliberale LDPR und die Kommunisten leicht zulegen konnten, macht die linksliberale Jabloko-Partei, die landesweit gescheitert ist, einen Sprung von fünf auf 13 Prozent.
Gerechtes Russland erkennt Ergebnis nicht an
Sergej Mironow, Landesvorsitzender von „Gerechtes Russland“ (SR), hat u. a. in St. Petersburg „vehemente Unregelmäßigkeiten“ beim Wahlablauf festgestellt und erklärt, die Ergebnisse nicht anzuerkennen. SR fordert eine erneute Auszählung der Stimmen.
Laut Mironow seien „Wahlbeobachter aus den Wahllokalen vertrieben worden“; der Abgeordnete der Petersburger Gesetzgebenden Versammlung Oleg Nilow sei von Polizisten geschlagen worden. Angehörige von SR vor Ort vermeldeten das Verschwinden von Wahlzetteln bei der Auszählung.
Seltsame Situation
Sergej Kowaljow, ebenfalls Abgeordneter von SR im Petersburg Parlament, und Alexander Resnik von „Jabloko“ wurden festgenommen und auf eine Polizeiwache gebracht, als sie am Abend Einlass in eine Stadtteil-Wahlkommission forderten, wo Stimmen ausgezählt wurden.
Das Petersburger Stadtportal Fontanka.ru verweist auf eine weitere „seltsame Situation“: Es habe am 4. Dezember verdächtig lang gedauert, bis die ersten Wahlergebnisse bekannt gemacht wurden:
„Während zur Duma-Wahl schon die Hälfte der Stimmen ausgezählt war, kamen zur Gesetzgebenden Versammlung gerade einmal die ersten Ergebnisse von einigen Wahlkreisen.“
Zu dem Zeitpunkt war es schon weit nach Mitternacht.