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Petersburgs neues Stadtoberhaupt Georgi Poltawtschenko profilierte sich bisher nicht als Politiker, sondern als Beamter - und Kirchgänger (Foto: vob.ru)
Dienstag, 23.08.2011

Matwijenko überlässt Poltawtschenko ihr Amtszimmer

St. Petersburg. Im Smolny findet heute die Übergabe der Amtsgeschäfte statt: Valentina Matwijenko hat ihren designierten Nachfolger Georgi Poltawtschenko in die Regierung eingeführt – und für ihn ihr Büro geräumt.

Der von Präsident Dmitri Medwedew gestern überraschend zum Interims-Stadtoberhaupt ernannte Poltawtschenko war noch am Abend in St. Petersburg eingetroffen. Bis zu seiner formellen Ernennung als Gouverneur wird er auch noch seinen bisherigen Posten als Präsidentenbevollmächtigter des russischen Zentral-Bezirks wahrnehmen.

Daran, dass Poltawtschenko nicht nur eine Übergangslösung, sondern schon der neue Wunschkandidat des Kremls für die Führung der Stadtverwaltung ist, zweifelt in St. Petersburg niemand. Ansonsten wäre wohl einer der bisherigen Stellvertreter Matwijenkos aus der Stadtregierung mit der Würde des „amtierenden Stadtoberhauptes“ bedacht worden.

Matwijenko geht, Poltawtschenko kommt


Entsprechend zelebrierten das scheidende und das neue Stadtoberhaupt heute auch schon die Übergabe der Regierungsgeschäfte: Valentina Matwijenko stellte ihren Nachfolger der Regierungs-Mannschaft vor und räumte für ihn ihr Arbeitszimmer frei.

Sie hätte nur Fotos eingepackt – und als Erinnerungsstück ein von Kindern gebasteltes Segelschiff-Modell mit feuerroten Segeln – wie es seit ihrer Amtszeit einmal im Jahr zum gigantischen Schulabschlussfest „Alyje Parusa“ auf der Newa kreuzt. Und auch als zukünftige Föderationsratsvorsitzende werde sie dem Petersburger Fußball-Club "Zenit" die Treue halten, sagte sie beim Abschied aus dem Smolny.

Der neue Gouverneur - ein treuer Putin-Soldat


Poltawtschenko gilt eher als ein Mann aus der Mannschaft von Regierungs-Chef Wladimir Putin denn als Vertrauter von Präsident Dmitri Medwedew. Wie Putin auch ist er KGB-Veteran – er leitete einst das Büro des Geheimdienstes in Wyborg.

Später, als Putin in St. Petersburg im Range eines Vizebürgermeisters zuständig für die Ordnungshüter in der Stadt war, stand Poltawtschenko der neu formierten städtischen Steuerpolizei vor. Anschließend wurde er Bevollmächtigter des Präsidenten für das Leningrader Gebiet.

Als der frisch zum Präsidenten gewählte Putin im Frühjahr 2000 sieben „Generalgouverneure“ als Oberaufseher über neu gebildete Föderale Bezirke installierte, bekam Poltawtschenko diesen Posten für das die Hauptstadt Moskau einschließende russische Zentralgebiet.

Ewiger "Polpred" des Kreml-Chefs in Russlands Mitte


Als einziger aus der Garde der ersten sieben „Bevollmächtigten Präsidentenvertreter“ behielt er diesen Posten bis zum heutigen Tage – elf Jahre lang. Das lag wohl auch an seiner Auffassung von diesem Posten: Ein regionaler Präsidentenbevollmächtigter sei ein "Instrument des Staats-Chefs", das "kein Recht auf eine eigene Meinung hat, die von der des Präsidenten abweicht", sagte er einmal 2003.

Ein Spitzenbeamter, kein Politiker


Poltawtschenko gilt als „orthodoxer Tschekist“ – in dem Sinne, dass er den „Organen“ genauso nahe steht wie der russisch-orthodoxen Kirche. Ihm wird nachgesagt, als Spitzenbeamter eine stille, aber effektive und strenge Führungsrolle zu spielen – ganz ohne Skandale und lauter Stimme. Auch in Korruptionsfälle oder Skandale um Vetternwirtschaft ist der neue Gouverneur bisher nicht verwickelt gewesen.

Als seine erste Aufgabe nannte Poltawtschenko heute die Vorbereitung der Stadt auf den Winter: Die Kälte käme in St. Petersburg „immer zu unerwartet“, meinte er. Die gewaltigen Probleme mit Eiszapfen und Dachlawinen, unpassierbaren Gehwegen und Höfen hatten in den letzten beiden extrem schneereichen Wintern das Image seiner Vorgängerin ziemlich ramponiert.

Von der Kommunalwohnung in den Smolny


Seine alte Heimatstadt habe sich in den letzten Jahren enorm gemacht, optisch wie wirtschaftlich, lobte Poltawtschenko: Eine Versechsfachung des städtischen Haushalts, das sei schließlich „reales Geld“.

Er kenne aber auch die andere Seite des Petersburger Alltags, deutete Poltawtschenko an: Er sei in Leningrad schließlich in einer Kommunalwohnung groß geworden, so das neue Stadtoberhaupt.


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