Nach VIP-Fete: Schiff Nr. 1 fliegt aus der Kriegsmarine
St. Petersburg. Die höchste Strafe für ein nicht sanktioniertes Bankett auf der „Aurora“ trifft den legendären Panzerkreuzer selbst: Das Schiff, das den Signalschuss zur Oktoberrevolution gab, verliert den Kriegsmarine-Status.
Der Fall erregte Aufsehen: Im Rahmen des Internationalen Petersburger Wirtschaftsforums hatte ein illustres Publikum Anfang Juni auf dem Panzerkreuzer Aurora ein rauschendes Fest gegeben. Gastgeber war Oligarch und Multimillionär Michail Prochorow.
Gefeiert wurde der erste Jahrestag der Herausgabe der von ihm finanzierten Zeitschrift „Russischer Pionier“. Die rauschende Fete hatten u. a. der Präsidentenbevollmächtigte Ilja Klebanow, „Alfa-Kapital“-Chef Michail Chabarow und der Biermagnat Oleg Tinkow besucht.
Auch Wirtschaftsministerin Elvira Nabiullina und Petersburgs Gouverneurin Valentina Matwijenko wurden gesichtet, sie waren aber „nur kurz da“. Der Skandalrocker Sergej Schnurow (Band „Leningrad“) sorgte für Unterhaltung. Die Stimmung war so gut, dass einige nicht mehr ganz nüchterne Gäste direkt von Deck aus einen Sprung in die kühlende Newa wagten.
Bestraft werden die Falschen
Die wüste Party löste in St. Petersburg Empörung aus (Russland-Aktuell berichtete) – immerhin gilt die Aurora als Symbol einer ganzen Geschichtsepoche und wird immer noch fast wie ein Heiligtum verehrt.
Die Untersuchung durch die Militärstaatsanwaltschaft zog sich monatelang hin und zeitigte jetzt sehr dürftige Ergebnisse. Eine Disziplinarstrafe erhalten der Kapitän des im Kriegsmarineregister als „Schiff Nr. 1“ geführten Panzerkreuzers, der Kommandeur der Baltischen Flotte und mehrere Offiziere aus dem Kommando des Leningrader Militärbezirks.
Wer tatsächlich die VIPs auf das militärische Territorium gelassen hat, das die Aurora dank ihrem Status formal darstellt, wird unter den Tisch gekehrt, vermutet die Internetzeitung Fontanka.ru, die sich seit Monaten um die Aufklärung des skandalösen Vorkommens bemüht hatte.
Aus verlässlichen Quellen will Fontanka.ru wissen, dass die Aurora demnächst ihren Status als Schiff der russischen Kriegsmarine verlieren und ihr weiteres Schicksal als eine einfache Filiale des Kriegsmarinemuseum fristen wird. Ein harter Preis für die einstige Reliquie der „Großen sozialistischen Oktoberrevolution“. Und ein völlig ungerechter dazu.
Nicht die Mutter Heimat und die Ruinen von Brest
Michail Prochorow zeigt sich indessen ungerührt, obwohl es keiner großen Geistesanstrengungen bedarf, um zum Schluss zu kommen: Wer zahlt, bestellt die Musik. Und die Frage, wo das große Geld sitzt für solche Feten, ist wohl müßig in diesem Falle.
"Der Panzerkreuzer Aurora ist schon lange kein Symbol der Revolution mehr“, ließ Prochorow im Oktober im Ersten Kanal verlauten. Da würde es regelmäßig Banketts geben und es würden sogar Pornos gedreht.
Keiner würde an „tatsächlich symbolischen Plätzen“ Partys feiern, wie etwa in den Ruinen der Brester Festung oder neben dem Monument der Mutter Heimat in Wolgograd. Und überhaupt sei er selbst „nur 15 Minuten bei der Fete gewesen“ und hätte „nichts von den in den Medien beschriebenen Exzessen gesehen“.