St. Petersburg. Das amerikanische Architekturbüro WORKac hat den Wettbewerb um die Erneuerung der Petersburger Insel Neu-Holland gewonnen. Der Entwurf sieht „viel Grün“ vor, ist aber nur Vorlage für die endgültige Bebauung.
WORKac ist bekannt für seine modernen Museums- und Geschäftsbauten in den USA. Als „Hauptkonsultant“ von Roman Abramowitschs Unternehmen Millhouse Capital liefert das Büro nur „die Idee“ für die Umgestaltung der kleinen Insel in ein Kultur- und Kunstzentrum.
Die Einschränkung, nur Ideenlieferant zu werden, ist wahrscheinlich eine Lehre, die aus vielen Reinfällen mit internationalen architektonischen Höhenflügen der letzten Jahre gezogen wurde. Erinnert sei an den Neubau für das Mariinski-Theater, das Zenit-Stadion oder auch an Neu-Holland selbst, dessen erster Umgestaltungsversuch schließlich verworfen worden war.
Der grünste Entwurf
WORKac möchte aus Neu-Holland eine grüne Oase machen, wobei alle alten Gebäude genutzt werden sollen. Einziger „Neubau“ wird ein mit Gras überwachsener Hügel; in den historischen Gebäuden sind Orangerien vorgesehen, die durch große Fenster in den Dächern Licht bekommen.
Das amerikanische Büro will der Insel drei Schwerpunkte verleihen: Geplant sind ein Kunstzentrum nebst Museum, ein Kino- und Modezentrum mit Geschäften und ein „Gastronomiezentrum“ mit einem Markt und Restaurants. Alle offenen Flächen sollen vor allem von Rasen und Pflanzen bestimmt sein.
Ideen vom neuen Gouverneur
Ein Vertreter des Wettbewerbsgewinners definiert das vorgelegte Projekt als „ausbalanciert zwischen Restaurierung und Innovation“. Die drei Verlierer hatten allerdings Ähnliches für sich in Anspruch genommen.
Nikita Jawejn vom Petersburger „Studio-44“ hält den Siegesentwurf für „seltsam und unverständlich“. Er bemerkt – angesichts der schlechten Erfahrungen mit den jüngsten Petersburger Architekturwettbewerben wohl zu Recht –, es sei „schwierig, die Entwicklung des Projekts zu prognostizieren“.
Die Denkmalschutzbehörde kritisiert denn auch bereits die geplanten „Glasflächen auf den Dächern der historischen Industriegebäude“.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für das neue Neu-Holland ist aber wohl der künftige Gouverneur der Stadt. Bis der endlich bestimmt ist, werden alle Planungen sowieso auf Eis liegen. Und wenn es soweit ist, hat er sicher einige eigene Ideen einzubringen. Es kann also noch dauern, bis die Arbeiten beginnen.