In den letzten Monaten konnten Anwohner hier und da beobachten, wie an den historischen Marktreihen aus dem 18. Jahrhundert gewerkelt wurde, aber grundlegende Arbeiten sind hier schon sehr lange nicht mehr ausgerichtet worden.
Das Architekturdenkmal verfiel nur immer weiter und drohte den Weg vieler Petersburger Altbauten vor ihm zu gehen – leergeräumt, liegengelassen, zusammengebrochen.
Baubeginn im Oktober Im November 2010 waren die klassischen Handelsreihen, in denen zu Sowjetzeiten Blechgeschirr hergestellt worden war, für 420 Millionen Rubel (etwa 100 Millionen Euro) an einen Privatinvestor verkauft worden, der mit einem Unternehmen von Andrej Jakunin, dem Sohn des russischen Bahnchefs Wladimir Jakunin, verbandelt ist.
Der Investor – die Geschlossene Aktiengesellschaft „Nikolski-Reihen“ – will die Um- und Ausbauarbeiten in dem laut Denkmalschutzexpertise „zu 70 Prozent baufälligen“ Gebäude im Oktober beginnen; deren Abschluss ist für Dezember 2013 vorgesehen. Das Gesamtvolumen der Geldanlage soll sich auf 220 Millionen US-Dollar belaufen.
Im Nikolaus-Markt sollen künftig ein Business-Center der Klasse A, ein Konferenz-Zentrum, eine Geschäftsgalerie, Restaurants, Cafés und das Viersterne-Hotel Crowne Plaza (350 Betten, betrieben von der InterContinental Hotels Group) untergebracht werden.
Ängste der Denkmalschützer Die ursprüngliche Bestimmung des Gebäudes als Handelsreihen wird auf zehn Prozent reduziert. Diese Tatsache und die kühnen architektonischen Planungen des Petersburger Architekturbüros von Alexej Michailow stoßen auf die Kritik von bekannten lokalen Kunst- und Kulturschaffenden, die sich über die Zukunft des Architekturdenkmals Sorgen machen.
Das geplante 24 Meter hohe Glasdach über dem Innenhof würde sich negativ auf die Umgebung auswirken, heißt die Hauptsorge: „Die Lage des Gebäudes an der Kreuzung Sadowaja Uliza und Krjukow-Kanal führt dazu, dass dieses Glasdach über das Architekturdenkmal hinausragt, sein Äußeres verzerrt und den Anblick der nebenan gelegenen Kulturerbeobjekte stört“, heißt es in einem Brief an den russischen Kulturminister.
Winkel des 18. Jahrhunderts Die Befürchtungen sind berechtigt, denn hier handelt es sich wohl um den einzigen authentisch erhaltenen Winkel des 18. Jahrhunderts in der ganzen Stadt (das Territorium der Peter-Pauls-Festung mal ausgenommen):
Gegenüber dem Nikolski-Markt erhebt sich die barocke Nikolaus-Marine-Kathedrale, hier kreuzen sich mehrere Kanäle und Flüsse mit pittoresken kleinen Brücken, und am Ufer des Krjukow-Kanals gegenüber der westlichen Seitenfassade der einstigen Handelsreihen stehen jahrhundertealte zweigeschossige Häuser.
Sich selbst Beschränkungen auferlegt Der Bau eines modernen Geschäfts- und Hotelzentrums könnte die etwas verschlafene, aber dafür sehr romantische Ecke radikal verändern. Die Bauherren versuchen jedoch, die Ängste auszuräumen – man habe beschlossen, die Dachabschlusshöhe von 24 auf 18 Meter herunterzusetzen, erfuhr die Zeitung „Kommersant“ in der Pressestelle des Unternehmens.
Außerdem würde das alte Gebäude noch schonender restauriert werden, als es die Auflagen der Denkmalschutzbehörde eh schon vorschreiben.
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