Petersburg: Gouverneurin gegen Striptease am 9. Mai
St. Petersburg. Mehrere Nachtclubs in Petersburg wollen am Siegstag am 9. Mai ihr Publikum mit Shows und Maskeraden zur Kriegsthematik anziehen. Gouverneurin Matwijenko ist empört und fordert die Absetzung der Programme.
Der Club „Candy Bar“ z. B. will am 9. Mai alle Mädchen in Militäruniform umsonst einlassen; „Bardak“ fordert die Besucher auf, in einer „sowjetischen oder russischen Uniform“ zu kommen; „Kryscha“ erlässt allen, die mit dem Georg-Bändchen kommen, 50 Rubel vom Eintrittspreis.
Frau Matwijenko „ist empört“ und appelliert an die Clubbetreiber, diese (teils mit Striptease untermalten) Programme abzusetzen. Sie seien „eine zynische Kampfansage an die Gesellschaft“ und „beleidigen das Andenken an den Großen Vaterländischen Krieg“, meldet Newsru am Freitag.
Schmerz für die Veteranen oder Erziehung der Jugend?
„Wer die Jugend zu solchen Partys einlädt, fügt den Veteranen und Blockadeteilnehmern Schmerz zu“, fährt die Gouverneurin fort. Die Clubbesitzer sehen dies naturgemäß ganz anders. Sie sehen es als gute Gelegenheit, Geld zu verdienen und „die Jugend an diesen Feiertag heranzuführen“.
Der Jurist Igor Guschtschew sieht keine rechtliche Grundlage, die Shows zu verbieten: „Der Tag des Sieges ist ein Fest- und kein Trauertag, das Gesetz schränkt die Tätigkeit der Clubs an diesem Tag nicht ein.“ Die Erklärung der Gouverneurin sei nicht mehr als eine „inständige Bitte an die Besitzer“.
“Hände hoch“ als Kneipenname unmoralisch
Auch zwei Petersburger Restaurants trifft die Wut der Stadtführung. Auf einer Sitzung zur Vorbereitung der Feiern zum 65. Jahrestag des Sieges im Smolny fragten Kriegsveteranen an, warum es in der Stadt zwei Aushängeschilder mit dem Schriftzug „Hände hoch!“ gibt.
Valentina Matwijenko wies die Leiter der beiden betroffenen Stadtbezirke an, mit den Besitzern der beiden Restaurants zu reden. Bereits im Februar hatte eine Expertenkommission die Aushängeschilder der beiden Läden als „unmoralisch“ eingestuft und deren Entfernung angeordnet.
Die Besitzer des einen Restaurants haben übrigens Einladungen an Kriegsveteranen zum kostenlosen Essen am 9. Mai verschickt und sich offensichtlich keine Gedanken darüber gemacht, dass der Name des Etablissements die allernegativsten Assoziationen an den vergangenen Krieg hervorrufen könnte.