Petersburg: historisches Tram-Depot oder Kunstpalast?
St. Petersburg. Um das Territorium des Tram-Depots auf der Wassili-Insel entbrennt Streit. Ein ungarischer Investor will dort einen „Palast der Künste“ errichten. Eine Expertise erklärt das Gelände jetzt aber zum Kulturerbe.
Die Stadt St. Petersburg wollte den Vertrag mit dem Bauunternehmen „Inweststroj“ (Hauptaktieneigner ist die ungarische Firma TriGranit) eigentlich bereits in der nächsten Woche unterschreiben. Dazu wird es jetzt wohl nicht kommen.
Eine vom Allrussischen Denkmalschutzverein initiierte Expertise hat nämlich ergeben, dass alle elf Bauten auf dem Gelände des alten Tram-Depots schützenswert sind. Damit bekommt das Territorium als Ganzes den Status eines „Kulturobjekts von föderaler Bedeutung“. Das heißt wiederum: Hier darf nicht gebaut werden.
Die Entscheidung liegt beim Kulturministerium in Moskau
Die Expertise wird jetzt dem russischen Kulturministerium in Moskau vorgelegt. Das muss innerhalb eines Monats ein Urteil fällen, ob die Expertise als rechtmäßig anerkannt werden kann. Geschieht dies, ist das Projekt des Kunstpalastes hinfällig.
Bis das Kulturministerium sein Verdikt ausspricht, darf auf dem acht Hektar großen Areal am Sredni Prospekt zwischen der 20. und 21. Linie auf der Wassili-Insel nichts angerührt werden – alle Projektierungs-, Erd- und Bauarbeiten sind per Gesetz verboten.
Vertragsabschluss war beim Wirtschaftsforum geplant
2009 hatte die Petersburger Denkmalschutzbehörde nur drei Gebäude als schützenswert erklärt, unter anderem das (dringend restaurationsbedürftige) Straßenbahnmuseum. Auf dem Rest des Geländes sollte ein „multifunktionales Kultur- und Geschäftszentrum“ entstehen.
Geplant war ein „Palast der Künste“ mit Konzertsaal und Kongresszentrum. Die Kosten wurden auf 9,5 Milliarden Rubel (273,5 Millionen Euro) veranschlagt. Mit dem Bau sollte bereits Ende 2011 begonnen werden.
Der Vorsitzende des Smolny-Komitees für Investitionen und strategische Projekte, Alexej Tschitschkanow, wollte den Vertrag beim diesjährigen Internationalen Wirtschaftsforum (16.-18. Juni) abschließen. Er hatte sogar optimistisch erklärt, das Forum 2013 würde in dem neuen Palast stattfinden.