Im Juli hatte das Sportkomitee von St. Petersburg die Bürger aufgerufen, Vorschläge für den Namen des neuen Stadions zu machen. Es gingen „tausende“ Anrufe, SMS und Briefe ein, zog Komiteevorsitzender Wjatscheslaw Tschasow gestern Bilanz.
Und die meisten davon sprachen sich für „Gazprom-Arena“ aus, sagt jedenfalls Herr Tschasow. Ohne genaue Zahlen anzuführen, ist er überzeugt, dies sei „der beste Name“ und entspräche außerdem der Tendenz im Westen, Stadien nach dem Hauptsponsor des jeweiligen Vereins zu benennen.
Für die Gazprom-Arena spricht sich auch der bekannte Petersburger Sportjournalist Gennadi Orlow aus. Gegenüber der Zeitung Kommersant sagte er, der Name sei nur allzu logisch: „Der Name kann eine Art Garantie dafür sein, dass Gazprom weiter Zenit unterstützen und in den russischen Fußball investieren wird.“
Fligende Holländer und Heilige Die Petersburger ließen ihrer Phantasie derweil freien Lauf und reichten solche Bezeichnungen wie „Petersburg-Arena“, „Petrograd-Arena“, „Zenit-Orbit“, „Fliegender Holländer“, „Krestowski“, „Kirow-Stadion“ und sogar „Stadion der Heiligen Valentina“ ein.
Der Fliegende Holländer ist sicher eine Reminiszenz an den an ein Raumschiff erinnernden Entwurf des japanischen Architekten; Kirow-Stadion hieß die Arena, an deren Stelle das neue Stadion errichtet wird; und die Heilige Valentina ist eine (ironische?) Anspielung auf den Vornamen der Petersburger Gouverneurin Matwijenko.
Das letzte Wort haben Miller und Matwijenko Trotz der demokratisch erscheinenden Prozedur der Namensgebung werden viele Bürger allerdings den Verdacht nicht los, die Sache sei eh von vornherein beschlossen gewesen. So waren Wortführer in der Auswahlkommission die Gouverneurin und Gazprom-Chef Alexej Miller.
Wer sonst noch diesem Organ angehörte, blieb der Öffentlichkeit vollends ein Rätsel. Und die Entscheidung lag im Endeffekt bei Valentina Matwijenko. Und die musste natürlich dem omnipotenten Gaskonzern den Zuschlag erteilen – ist der doch seit Jahren der größte Steuerzahler der Stadt.
Potemkinsche Dörfer? War die Aufforderung an die Bevölkerung, sich an der Namensfindung zu beteiligen, also nur eine Potjomkinsche Fassade, hinter der eh alles von vornherein abgesprochen und entschieden war?
Diese Ansicht überwiegt unter den aktiven Zenit-Fans. „Wie immer, läuft alles hinter unserem Rücken ab“, schrieb einer davon in einem Internet-Forum. Valeri Iljunin, in Fankreisen bekannt als Sabonis, drückt es um einiges härter aus:
„Meine Meinung und die Meinung der Fans hat sich die Clubleitung eh in den A… gesteckt, die interessiert das überhaupt nicht.“ Es läuft nicht gut zwischen Zenit und seinen Anhängern, und nach dem Konflikt um den Rückkauf des Spielers Wladimir Bystrow im Sommer gießt jetzt der Stadionname weiteres Öl in dieses Feuer.
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