Wer glaubt, der Winterpalast habe immer schon pastellgrün und weiß ausgesehen, irrt sich. So verbreitet die Ansicht auch ist, das zarte Türkis sei DIE Barock-Farbe überhaupt und die Visitenkarte des Architekten Rastrelli im Besonderen – sie ist schlicht und ergreifend falsch!
Zartrosa und Ziegelrot
Tatsächlich hatte der Winterpalast in den gut 250 Jahren seines Bestehens verschiedene Anstriche. Rastrelli selbst, der geniale Meister des Petersburger Barocks, verlieh seinem wichtigsten Bauwerk ein zartrosa-sandfarbenes Kleid.
Später wurde daraus ein sattes Ocker, und unter dem letzten Zaren, Nikolaus II., ein richtig kräftiges Rot. Den Palast mit diesem Anstrich stürmten dann 1917 die Bolschewiki (der Grund für den Sturm war aber sicher nicht die Farbe). Die jetzige Farbgebung tauchte erst kurz nach dem Krieg auf.
Keine einheitliche Meinung
Die Internetzeitung Fontanka.ru nahm den Vorschlag von Herrn Piotrowski zum Anlass, eine Umfrage unter ihren Lesern durchzuführen. Ein eindeutiges Ergebnis kam dabei nicht heraus.
Etwa jeweils 26 Prozent der Teilnehmer sprachen sich für Rastrellis Ursprungsvariante oder die Beibehaltung der jetzigen Farbe aus; 16 Prozent befanden, man solle das Geld besser für etwas anderes ausgeben – in Zeiten der Krise und vielfältiger sozialer Probleme gäbe es bessere Verwendungsmöglichkeiten für das Geld.
Keine Fehler wiederholen
Fontanka fragte zudem prominente Petersburger nach ihrer Meinung, die sich übrigens nicht sonderlich von der Leserschaft der Internet-Zeitung abhebt. Olga Taratynowa, Dierktorin des Museums von Zarskoje Selo, ist der Meinung, das ursprüngliche Ansinnen des Architekten müsse ausschlaggebend sein.
Außerdem hätten sowohl der Winterpalast als auch das gegenüberliegende Generalstabsgebäude öfter die Farbe gewechselt, deshalb sei „nichts Schreckliches dabei, dass sich die Bürger an einen neuen Farbton gewöhnen müssen“.
Gegen einen Farbwechsel sprachen sich, genau wie in der Leserumfrage, die meisten Prominenten aus. Der Architekt Rafael Danajew ist gegen einen rosafarbenen Winterpalast: „Auf keinen Fall darf sich die Geschichte mit dem Stroganow-Palais wiederholen“, meint er.
Zur Erinnerung: Das Palais an der Ecke Moika und Newski wurde bei der Restaurierung zartrosa gestrichen und hat dadurch viel von seiner Ausdruckskraft verloren. Vorher hatte es übrigens eine ähnliche Farbe wie jetzt der Winterpalast.
Das Geld besser für etwas anderes ausgeben
Dem Schriftsteller Dmitri Rumjanzew gefällt die Eremitage „so, wie sie ist“. Und: „Warum Geld umsonst ausgeben?“ Dieser Meinung ist auch sein Kollege Ilja Stogow: „Ich komme gerade aus Dagestan zurück, da haben die Leute elementar nichts zu essen. Da gehört es sich einfach nicht, über irgendwelche Malarbeiten zu reden!“
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