Petersburger Frühjahrsputz: Kampfansage an Winterreste
St. Petersburg. Der Schnee ist endlich weg, und nun wird zum Großfrühjahrsputz getrommelt: Bis zum 9. Mai soll Petersburg blitzeblank sauber sein. Offizielle Aufrufe an die Bürger werden aber wohl in der Luft verpuffen.
Die Bürger sollen „ihren Müll“ von den Balkonen räumen, fordert Gouverneurin Valentina Matwijenko von den Petersburgern: „Ich bin letztens den Lenin-Prospekt entlanggefahren – was haben die Leute nicht alles auf ihren Balkons: Wir haben bald den 1. Mai und da stehen noch alte Weihnachtsbäume, von all dem anderen Müll ganz zu schweigen.“
Bis zum Siegestag soll die Stadt glänzen
Auch die Fenster sollen geputzt und auf Baustellen aufgeräumt werden. Des Weiteren geht es um die Beseitigung von „Autoleichen“, die im Laufe des langen und harten Winters an den Straßenrändern und in den Höfen gestrandet sind.
Für Letzteres will sie die Leiter der Stadtbezirksverwaltungen in die Verantwortung nehmen. Sie sollen „zu Fuß alle Höfe ablaufen und dafür sorgen, dass die Autos abgeschleppt werden“. Das „zu Fuß“ ist zugleich ein kleiner Seitenhieb auf die Beamten, die sich normalerweise nur motorisiert in der Stadt fortbewegen.
Auch unerlaubte Werbung an Hauswänden, Zäunen und sogar auf Baumstämmen muss verschwinden. Dazu will Matwijenko „mobile Brigaden“ aufstellen. Wer illegal Reklame macht, solle mit Ordnungsstrafen belegt werden. Bis zum 9. Mai, wenn Russland seinen traditionellen Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg feiert, soll Petersburg wie aus dem Ei gepellt aussehen
Wintermüll kommt zum Vorschein
Matwijenkos Beschwerden und Forderungen sind nichts Neues. Natürlich hat die Stadt eine Auffrischung bitter nötig, denn kaum ist der Schnee weg, kommt der ganze Dreck zum Vorschein, der sich in diesem sehr langen und sehr harten Winter angesammelt hat.
Hundekot und Kleinmüll wie Flaschen und Papier müssen entfernt und die öffentlichen Flächen gründlich gereinigt werden. Die Bürger sollten da eigentlich auch mithelfen – es gibt ja immer noch die freiwilligen Samstagseinsätze (Subbotnik), ein Relikt aus Sowjetzeiten. Allein – an denen nimmt kaum jemand teil.
Keine offenen Ohren
Die Instandsetzung und -haltung der öffentlichen Umgebung war noch nie ein besonderes Anliegen der Anwohner, aber jetzt ist es damit wohl endgültig vorbei. Schon zwei Winter lang hat die Petersburger Stadtregierung sträflich ihre Pflicht vernachlässigt, Schnee und Eis vernünftig zu räumen.
Für die Petersburger war es monatelang eine reine Qual, sich durch Schnee und Eis und über spiegelglatte Straßen durch die Stadt zu quälen. Es gab sogar mehrere Todesopfer durch herabfallende Eiszapfen und unvorsichtig hantierende Räumfahrzeuge.
Kritik und Unzufriedenheit sind groß. Matwijenkos Appelle werden also wohl in der Luft verpuffen. Und so mancher wird extra seinen alten Tannenbaum auf dem Balkon vergammeln lassen, um der ungeliebten Stadtherrin eins auszuwischen.