Ende der 1990er Jahre sorgte in Petersburg die Nachricht für Aufsehen, der Ölriese Lukoil hätte sich für 49 Jahre den Palast an der Englischen Uferstraße 68 gepachtet, wolle 20 Millionen Dollar in seine Restaurierung investieren und die Immobilie dann erwerben. Daraus wurde nichts, weil die Denkmalschutzbehörde jegliche Umbauten verbot. Lukoil zog sich zurück.
Keine Ölgiganten und keine Heiratspaläste Die Stadt fand einen neuen Investor, ebenfalls aus der Ölbranche, aber auch aus dieser Liaison wurde nichts. Der Grund: Petersburg und das föderale Zentrum stritten sich darum, ob das unter Denkmalschutz stehende Gebäude im Stil der florentinischen Renaissance ein lokales oder föderales Architekturdenkmal ist.
Der dritte Anlauf der Stadt verlief ebenfalls im Sand: Die Idee, hier einen weiteren Heiratspalast einzurichten (der unweit ebenfalls am Englischen Kai gelegene ist hoffnungslos überlastet), scheiterte wiederum an Besitzstreitigkeiten zwischen Petersburg und Moskau.
Teures Vergnügen Jetzt soll die Universität das Gebäude bekommen. Auf knapp 21.000 Quadratmetern Nutzfläche werden Hörsäle eingerichtet. Eine entsprechende Vereinbarung wurde bereits am 26. Oktober unterzeichnet, teilte Uni-Prorektor Ilja Dementjew dem Petersburger Stadtportal Fontanka.ru mit.
Welche Fakultäten hierher umziehen, ist allerdings noch nicht klar. Bevor Studenten sich hier einrichten, muss das lange Jahre leerstehende Haus gründlich renoviert werden. Dafür werden etwa 50 bis 60 Millionen Dollar benötigt, sagen Experten. Im Stieglitz-Palais müssen alle historischen Interieurs wiederhergestellt werden, lautet die Auflage der Denkmalschutzbehörde.
Uni erobert das linke Newa-Ufer Die Petersburger Universität, die traditionell auf dem rechten Flussufer auf der Wassili-Insel angesiedelt ist, greift immer weiter auf das linke Newa-Ufer über. Ganz in der Nähe des Stieglitz-Hauses, im ehemaligen Palais der Grafen Bobrinski am Admiralitätskanal, ist heute die Fakultät für freie Künste und Wissenschaften untergebracht.
In Perspektive könnte die Petersburger Uni sogar auf die Neue Admiralitäts-Insel ein kleines Stück weiter westlich des Englischen Kais ziehen. Es gibt Überlegungen, dort nach dem Umzug der Admiralitätswerften nach Kronstadt einen neuen Campus hochzuziehen. Die Umsetzung dieser Idee liegt aber noch in weiter Ferne.
Hier war unter anderem die Anlage eines modernen Wohnviertels geplant, die aber an die Errichtung einer neuen Brücke über die Newa gekoppelt ist. Jetzt ist nicht einmal klar, ob diese Brücke überhaupt gebaut wird. Der neue Gouverneur Georgi Poltawtschenko scheint geneigt, die Großprojekte seiner Vorgängerin Valentina Matwijenko zumindest zum Teil zu revidieren.
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