London. Laut „The Independent“ könnte 2012 Petersburgs „Eiserne Lady“ Matwijenko statt Putin für das Präsidentenamt kandidieren. Sie verdiene dies wegen ihrer Erfolge an der Newa. Hat sie da tatsächlich so viel erreicht?
Die Kandidatur der „Kreatur Putins“ – durch ihn ist Matwijenko 2003 in Petersburg erst an die Macht gekommen – würde einen „dritten Weg“ eröffnen, wenn Wladimir Putin sich dazu entscheiden würde, doch nicht gegen Dmitri Medwedew anzutreten und auf eine erneute Amtszeit im Kreml zu verzichten.
Über Umwege in den Kreml
Unter dem Titel: „Lernen Sie die russische Thatcher kennen: Eine Chemikerin, die im Kreml landen könnte“, stellt die britische Zeitung die 61-jährige Valentina Matwijenko vor, die seit sieben Jahren die Geschicke Petersburgs lenkt.
Und das äußerst erfolgreich – meinen jedenfalls die englischen Journalisten. Es würde mehr gebaut und mehr repariert, aber die Hauptsache: Die Menschen auf den Straßen sehen selbstsicherer und zufriedener aus.
Wie Thatcher und Merkel
Matwijenko selbst habe sich auch verändert, heißt es weiter – sie sei sicherer und moderner geworden, habe eine neue Frisur und abgenommen, außerdem richtige politische Autorität erworben und könne „spontaner auf die Fragen der Journalisten antworten“.
Ihre Karriere von der Jugendparteifunktionärin über die Diplomatin zur Gouverneurin gleiche frappant dem Weg zweier anderer weiblichen Politikergrößen – von Margaret Thatcher und Angela Merkel. Warum also nicht weiter diesen Weg beschreiten?
Mehr Kinder, weniger Korruption
Unter ihrer Lenkung sei in Petersburg die Geburtenrate gestiegen und die Korruption zurückgegangen, schreibt das Blatt außerdem. Die Handlungen der Stadtregierung seien durchsichtiger für die Öffentlichkeit geworden.
Weise von Frau Matwijenko sei die Unterstützung für das Wolkenkratzer-Projekt von Gazprom, weil sie es ohne „Dogmatismus tut, um einen Kompromiss mit den Gegnern zu finden“. Hier haben die englischen Journalisten aber nur halb hingeguckt und hingehört, will es scheinen.
Die Weisheit von Gazprom-City
Gerade wegen des skandalösen 400 Meter hohen „Maiskolbens“ hat ihr Image unter den Petersburgern stark gelitten. Die hilflose Reaktion auf die Schnee- und Eismassen im letzten Winter war für den Smolny eine blanke Blamage.
Viele Petersburger sehen keine positive Entwicklung ihrer Lebensqualität – gefühlt sind Nahverkehr, Wohnungswirtschaft und Sozialwesen nicht besser als vor zehn Jahren. Nur mit dem „feinen“ Unterschied – es muss viel mehr dafür bezahlt werden.
Matwijenko als Zwischenlösung
2006 war Matwijenkos Name übrigens schon einmal gehandelt worden als Kandidatur bei der Präsidentenwahl von 2008. Damals hatte es geheißen, sie sollte Putin, der keine dritte Amtszeit in Folge im Kreml bleiben durfte, als Übergangsfigur ersetzen und ihm die Rückkehr 2012 garantieren.
Diese Notwendigkeit besteht nun nicht – nach vier Jahren Medwedew hat Putin alle Rechte auf eine erneute Kandidatur. Matwijenko wäre nicht viel mehr als eine Notlösung, sollte es wider Erwarten am Mann – oder eben an der Frau – fehlen.
Matwijenko will aus Petersburg nicht weg?
Inzwischen hat die Gouverneurin selbst ein Statement zu dem Artikel in der britischen Zeitung abgegeben. Sie dankte der Journalistin, die im Rahmen des „Waldai-Clubs“ am Samstag bei einem zweistündigen Pressegespräch im Smolny war, „für die hohe Einschätzung ihrer Tätigkeit“.
Zum Thema Präsidentschafts- kandidatur teilte Matwijenkos Pressesprecher Alexander Korennikow mit, „die Gouverneurin hat immer betont und betont auch heute, dass sie ihr Leben und ihre Arbeit ausnahmslos an Peterburg knüpft“.