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Freitag, 27.02.2009
Randalierender Polizeirevier-Chef nimmt den Hut
St. Petersburg. Der Polizeichef eines Petersburger Stadtteils hat sich kräftig daneben benommen: Er grölte betrunken in einem Restaurant herum – und pinkelte dort schließlich an ein Regal. Nun hat er gekündigt.
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Dass russische Milizionäre gerne mal über die Stränge schlagen und sich nicht unbedingt immer gediegener Umgangsformen befleißigen, ist hinreichend bekannt.
Der Exzess, den sich dieser Tage aber der Chef der Polizeibehörde des großen Primorski-Stadtteils von St. Petersburg leistete, war dann aber doch zu viel des Unguten: Nachdem er sich in einem japanischen Restaurant in seinem Sprengel heftig betrunken hatte, reagierte er auf die Aufforderung des Personals, sich anständig zu benehmen, mit maximaler Herablassung und Aggressivität.
"Ich lasse alle verhaften", lallte der Polizeichef Erst stellte sich der schwer schwankene Mann mit seinem Ausweis wedelnd als Gebiets-Polizeichef vor, dann drohte er, alle Anwesenden verhaften zu lassen, führte kleine Tänzchen auf - und erleichterte schließlich seinen Blasendruck mitten im Saal des Restaurants. Dabei soll er auch andere Restaurantbesucher „getroffen“ haben.
Als der hochrangige Randalierer schließlich doch hinauskomplimentiert wurde, soll es laut Zeugen auf dem Parkplatz eine Fortsetzung des Auftritts gegeben haben: Der Betrunkene versuchte ein fremdes Auto zu öffnen – und als dieses nicht nachgab, traktierte er es mit Fäusten und Füßen.
Videobeweis von schlechter Qualität - aber guter Wirkung Die Entgleisung des schwierigen Gastes wäre vielleicht schon verschwiegen und vergessen – hätte nicht ein anderen Besucher den „Auftritt“ mit seiner Handykamera von der Empore des Restaurants aus gefilmt – und an die lokale Internetzeitung „fontanka.ru“ weitergeleitet.
Diese veröffentlichte es unter dem Vorbehalt, dass die gezeigte Person in Zivil gewisse Ähnlichkeiten mit einem Stadtteil-Polizeichef aufweise. Die magere Qualität des tonlosen Schwarzweiß-Filmchens hätte zwar kaum eine erkennungsdienstliche Identifikation des „Helden“ erlaubt, aber der Skandal war auch so nicht mehr aufzuhalten.
Katerstimmung: Kündigung und Herzprobleme Petersburgs Polizeikommandeur bestellte seinen demnächst 50 Jahre alt werdenden Untergebenen Wladimir Kretz daraufhin zu einem ernsthaften Gespräch ein. Der schrieb danach ein Kündigungsgesuch, formell wegen Erfüllung seiner Dienstzeit und ließ sich krank schreiben. Momentan liege er mit Herzproblemen im Krankenhaus, es gehe ihm schlecht, berichtete Kretz nun einer Petersburger Nachrichtenagentur.
Zu dem Vorfall in dem Restaurant wollte er nichts sagen: „Alle Kommentare wären jetzt unangebracht. Mir fehlen selbst die Worte.“ Ob seinem Kündigungsgesuch schon stattgegeben sei, wisse er nicht. Wenn dies geschieht, behält Kretz alle Ehren und Vergünstigungen als Polizei-Veteran.
Da staunt der Bär: Eine ähnliche Szene vor einem Jahr Der Abgang des seit 2001 amtierenden Revierchefs scheint dabei überfällig – denn Kretz soll sich Medienberichten zufolge nicht zum ersten Mal derart unwürdig benommen haben: Vor einem Jahr habe er schon einmal in einem Restaurant in aller Öffentlichkeit herumgegrölt und dann demonstrativ sein kleines Geschäft verrichtet: Damals traf der Strahl allerdings nur einen Braunbären – und der war ausgestopft.
Außerdem soll Kretz im letzen Jahr nach einem Zusammenstoß seines Toyota Camry mit einem Mercedes auf einer Kreuzung dessen Fahrer kurz abgefertigt haben: „Ich bin der Revierpolizeichef, und du kannst mich mal …“ – worauf er von dannen fuhr.
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