St. Petersburg. Das historische Marktviertel im Petersburger Zentrum wird sehr schonend umgebaut. Die Idee, einige Gebäude auf einen Sockel zu stellen, ist vom Tisch. Bis zur Fertigstellung wird aber noch viel Zeit vergehen.
Satte zwei Jahre hat es gedauert, bis die historische Expertise des Territoriums endlich vorgelegt wurde. Auf ihrer Basis soll die Restaurierung und Rekonstruktion des Apraxin Dwor zwischen Sadowaja Uliza und Fontanka in Angriff genommen werden.
Als die Expertise vor einer Woche endlich an die Öffentlichkeit kam, löste sie kontroverse Diskussionen aus, denn die Autoren schlugen vor, fast die Hälfte der auf dem Marktareal stehenden Gebäude auf einen hohen Sockel anzuheben, in dem Läden, Lagerhallen, Hotels und Büros unterkommen sollten.
Denkmalschutzbehörde macht Kehrtwende
Damit wären die Innenbauten bis auf 22 Meter Höhe angewachsen und hätten die auf die Sadowaja hinausgehenden Außenfassaden überragt. Dies stieß natürlich auf den Widerstand von Architekten und Stadthistorikern.
Die Leiterin der Petersburger Denkmalschutzbehörde Vera Dementjewa hatte dagegen noch vor einer Woche erklärt, die sechs bis zehn Meter hohen Sockel seien mit den Vorgaben ihres Amts zu vereinbaren.
Bei der Sitzung am Montag bei Gouverneurin Valentina Matwijenko im Smolny wurde aber offensichtlich ein anderes Urteil gesprochen. Jedenfalls sagte Dementjewa laut dem Internetstadtportal Fontanka.ru, es werde keine Sockel geben und außerdem würden nur drei (statt der vorgeschlagenen 26) Bauten abgerissen.
Alle Fristen sind verstrichen
Dementjewa erklärte weiter, die Fristen für die Erneuerung des Apraxin Dwor würden wahrscheinlich verlängert werden. Ursprünglich war geplant gewesen, im Apraxin Dwor 2012 ein modernes Geschäfts- und Bürozentrum zu eröffnen.
Aber dann kam die Krise und zwischenzeitlich stand der Investor – Oleg Deripaskas Unternehmen Glawstroi-SPb. – kurz vor dem Verkauf an den Konzern „Nafta-Moskwa“ des Oligarchen Sulejman Kerimow (Russland-Aktuell berichtete).
Englischer Entwurf wird modifiziert
Dass noch viel Zeit bis zur Einweihung vergehen wird, sagt auch Anastasia Koslowa, die bei Glawstroj das Projekt „Apraxin Dwor“ managt. „Viele denken, dass jetzt, wo die Expertise fertig ist, sofort stürmisch gearbeitet wird. Aber das war nur eine Zwischenetappe.“
60 Bände stark sei die Expertise und die müsse erst einmal gelesen werden. Aber eines sei schon jetzt klar: Der Entwurf des englischen Architektenbüros Wilkinson Eyre wird grundlegend umgearbeitet, weil „er zu radikal für diesen Ort ist“, so Koslowa.
Stadt in der Stadt von großem historischem Wert
Als 2007 der Wettbewerb lief, sei noch nicht klar gewesen, dass so viele Gebäude in dem Markt- und Lagerhausareal einen historischen Wert besitzen. Aus der jetzigen Expertise geht indes deutlich hervor: Erhalten bleibt der Grundriss der Anlage, die Anordnung und Größe der einzelnen Bauten, die Trassenführung, die Konfiguration und Neigung der Dächer.
Im Apraxin Dwor gibt es insgesamt 54 Bauten, zehn davon sind historisch so wertvoll, dass sie restauriert werden müssen. 18 weitere unterliegen der „Restaurierungsreparatur“, was heißt: Sie können innen umgebaut werden.
26 Bauten sind im Laufe der Zeit stark verändert worden und haben ihr ursprüngliches Aussehen verloren. Von ihnen werden entgegen der bisher geltenden Pläne aber nur drei abgerissen.