St. Petersburg. Der Winter 2009/10 war schon extrem, doch die jetzt ausklingende kalte Jahreszeit schlägt alle Schneerekorde: In St. Petersburg fielen im Laufe dieses Winters bisher 3,36 Meter Schnee!
Nach Aussage des Vizegouverneurs Alexej Sergejew hat es einen für die kommunalen Dienste derartig harten Winter seit Jahrzehnten nicht mehr an der Newa gegeben. Einige Wetterexperten würden sogar behaupten, dass St. Petetersburg einen derartig schneereichen Winter noch nie erlebt habe, sagte er auf einer Sitzung der Stadtregierung.
Da man beim Wetteramt nicht ausschließt, dass in der nächsten Zeit noch etwas Schnee fällt, könnte die kumulierte Schneedecke zu Saisonende auch 3,50 Meter überschreiten, so Sergejew.
Gottlob sackt Schnee in sich zusammen
Diese Zahl errechnete die Stadtverwaltung auf Basis der alle zwölf Stunden vom Wetterdienst gemachten Angaben über die Höhe der neu entstandenen Schneedecke – anhand der die Räumdienste kalkulieren können, wie viel sie zu Schaufeln haben werden. Da der Schnee sich freundlicherweise aber doch komprimiert und auch bei Minusgraden permanent etwas verdampft, erreichte die reale Schneedecke in der Stadt doch nur eine Höhe von 70 bis 80 Zentimeter.
Die Eispanzer halten sich wohl lange
Doch auch dies stellte Einwohner wie Räumdienste in diesem Winter vor bisher nicht erlebte Schwierigkeiten. Viele Gehwege und Innenhöfe wurden nach und nach mit einem bis zu einem Meter dicken Schnee- und Eispanzer bedeckt - und sind es noch bis heute. Auch mussten im Laufe dieses Winters die Dächer mancher Häuser acht bis zehnmal von den angefallenen Schneemassen gereinigt werden, erklärte Juri Ossipow, der Leiter der städtischen Wohnungsbehörde.
Fast doppelt so viel Niederschläge wie normal
Meteorologen operieren allerdings mit anderen Zahlen als der imaginären Höhe der Schneedecke: Sie maßen in diesem Winter 211,4 Millimeter Niederschläge – wobei auch der zwischenzeitlich bei Tauwetter gefallene Regen mitgezählt wird.
Doch auch dies sind 176 Prozent der Winter-Norm von 120 Millimeter. Der bisher als historische Schneekatastrophe geltende vorherige Winter brachte es immerhin auch auf 185 Millimeter.
Auch nur vergleichbar schneereiche Winter liegen in St. Petersburg über 40 Jahre zurück: 1966 maß man an der Newa 170 Millimeter Niederschläge.
Voriger Winter war eine gute Übung
Dennoch schien es in dieser Saison, dass die Stadtverwaltung mit den Schneebergen besser klar kam als im Vorjahr. Zum einen waren in der Zwischenzeit 250 neue Schneeräum-Fahrzeuge angeschafft worden, zum anderen hatte man in der vorherigen Saison erst das Know-how zum Beseitigen derartiger Massen entwickeln müssen: Die wesentliche Rolle spielen dabei nicht mehr Schneepflüge, sondern schwere Baustellentechnik wie Radlader und Muldenkipper, assistiert durch Abschleppwagen und Mini-Bagger.
Der Notstand musste nicht ausgerufen werden
Mit gewissem Stolz vermerkte Stadtoberhaupt Valentina Matwijenko dann auch, dass es nicht nötig wurde, in der Stadt Katastrophenalarm auszulösen. Nach den Kriterien des Katastrophenschutzdienstes kann dies der Fall sein, wenn an einem Tag mehr als 20 Millimeter Niederschlag fallen.
Der 10. Dezember 2010 war in dieser Beziehung ein echter Katastrophentag: Es fielen 29,9 Millimeter Niederschlag - aber St. Petersburg ging dennoch nicht unter.