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Donnerstag, 11.02.2010
Smolny will Tauwetter-Flut in der Stadt verhindern
St. Petersburg. Der Rekordwinter ist noch lange nicht vorbei – zum Glück. Denn den Bürgern graust es bei dem Gedanken, was wird, wenn die Schneeberge tauen – und sehen sich schon in Gummistiefeln zur Arbeit waten.
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Der Kampf gegen den Schnee – vor allem die Ende Dezember gefallenen Rekord-Massen von etwa 1 Meter Höhe – geht in der Newa-Metropole unvermindert weiter: Nachts und am Wochenende sind in allen Stadtteilen Räumkommandos mit Radladern und Kipplastern am Werk, um Straßenränder und Gehwege von der schon etwas unansehnlich gewordenen weißen Pracht zu befreien.
Harte Handarbeit auf den Blechdächern Tagsüber sind momentan die Dächer der Hauptschauplatz der Anti-Schnee-Maßnahmen: An den Regenrinnen hängende Eiszapfen und Wechten müssen in mühsamer und gefährlicher Handarbeit abgeschlagen werden – und damit nicht gleich wieder neue wachsen, gilt es auch die Dächer mit Schaufeln vom Schnee zu befreien.
Dabei geht auch so manches zu Bruch – seien es an den Fassaden hängende Jalousienkästen, Leuchtreklamen, Antennen oder auch ganze Vordächer über Hauseingängen, die nicht auf ein solches Bombardement ausgelegt worden sind. Wenigstens nehmen die kommunalen Arbeitskräfte das Absperren der Gehwege und Straßen recht ernst, wenn es auf den Dächern darüber zur Sache geht.
Bisher 18 Verletzte durch Eis- und Schneebomben Aber dies ist allemal besser, als die gewaltigen Eisbrocken der Schwerkraft und dem nächsten Tauwettereinbruch zu überlassen. Bislang wurden in der Stadt schon 18 Fälle von Verletzungen durch „Eisschlag“ registriert – Tote gab es bislang glücklicherweise nicht.
Anschließend gibt es dann wieder auf dem Straßen-Niveau jede Menge Eis und Schnee zu neuen Wällen und Haufen aufzuschichten, was Bedarf für neue Abfuhraktionen bedeutet.
Bis es taut, sollen die Dächer schneefrei sein Nach Einschätzung von Alexander Koljossow, dem Petersburger Chef-Meteorologen, wird das frostige Winterwetter noch mindestens bis Mitte März anhalten. Bis dahin, so versprach jetzt Vizegouverneur Alexej Sergejew, sollen alle Dächer in der Stadt vom Schnee befreit sein.
Auch sollen bis zum Einsetzen des Tauwetters alle Abflussöffnungen in die Kanalisation freigelegt und gereinigt sein. Der städtische Wasserver- und entsorger „Wodokanal“ würde schon jetzt beginnen, mit Dampfkanonen die Gullys aufzutauen, so Sergejew.
Matsch go home: Schnee-Zwischenlager sollen geräumt werden Um eine Überflutung der Stadt in der Schneeschmelze zu verhindern, soll nach der Reinigung der Straßen und Wege auch begonnen werden, den auf Grünstreifen, Rasenflächen und sonstigen Randzonen mancherorts drei Meter hoch aufgehäuften Schnee auf die eigens in allen Stadtteilen eingerichteten Schneehalden abzutransportieren.
4,5 Mio. Kubikmeter Schnee hätten sich auf diese Weise in der Stadt angesammelt, hieß es auf einer Beratung im Smolny – bei der versprochen wurde, die Schneeberge auf den Grünflächen nicht bis in den Sommer tauen zu lassen, sondern abzufahren.
Und wenn das Wetter nicht mitspielt? Doch so sehr die von Gouverneurin Valentina Matwijenko mit einigen exemplarischen Kündigungen mächtig unter Druck gesetzten Beamten den Krieg gegen den Schnee jetzt auch planen und vorbreiten – das notorisch unberechenbare Wetter kann ihnen noch mächtig einen Strich durch die Rechnung machen.
Entweder in der Form, dass das Tauwetter früher als erwartet einsetzen sollte. Oder - wenn das nicht passiert – in Form neuer kräftiger Schneefälle, die schnell aus bereits perfekt geräumten Straßen und Dächern wieder neue Lawinenlandschaften machen.
Unangenehme Prognose: Der Rekord-Winter verabschiedet sich mit viel Schnee Wettermann Koljossow hält das für nicht unwahrscheinlich: „Wenn vom Süden große Warmluftmassen herandrängen und bei uns noch kräftiger Frost steht, führt der Zusammenstoß warmer und kalter Luftmassen zu großen Niederschlagsmengen.“ Es könne durchaus auch noch einmal um die minus 20 Grad kalt werden.
Es wird also wohl noch eine Weile weitergehen mit dem allgemeinen Geschaufele, dem Rumrutschen auf den Gehwegen und den bangen Blicken nach oben, wenn man in Petersburg einfach nur eine Straße entlang geht.
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