St. Petersburg. Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat den Rücktritt von Valentina Matwijenko vom Gouverneursposten in Petersburg angenommen. Die Berufung von Georgi Poltawtschenko wird allgemein als Kompromiss angesehen.
Georgi Poltawtschenko war elf Jahre lang Bevollmächtigter des russischen Präsidenten im relativ ruhigen und konfliktlosen Zentralen Föderationskreis. Davor wirkte er als Leiter der Steuerpolizei von St. Petersburg.
Wie Wladimir Putin hat er auch schon beim KGB gearbeitet. Seine Benennung zum kommissarischen Stadtoberhaupt kommt überraschend.
Zumindest stand der Name des 58-jährigen klassischen Apparatschiks bisher nicht auf der Liste der möglichen Gouverneursanwärter. Der üblichen Regel zufolge hätte Matwijenkos Vize Michail Ossejewski in die Bresche springen müssen, bis ein neues Stadtoberhaupt ernannt worden wäre.
Bereits „der Neue“?
Politologen sehen Poltawtschenko nun bereits als „den Neuen“, der schon am Mittwoch in seinem Amt bestätigt werden könnte. Laut der Zeitung "Kommersant" ist er der perfekte Kompromiss zwischen der Kreml-Partei „Einiges Russland“ und der „föderalen Elite“ in Moskau.
Michail Winogradow von der Stiftung „Petersburger Politik“ ist der Meinung: „Diese Ernennung trägt mehr einen politischen als einen Wahl-Charakter. Wichtiger als alle Wahlen sind die Kontrolle über die Stadt, über ihre Finanzen, über ihr Eigentum.“
Politische Lage in Petersburg stabilisieren
Professor Rostislaw Turowski von der Fakultät für Politologie der Moskauer Staatsuniversität hält die Ernennung von Poltawtschenko für „ein Resultat von Putins Politik der Kaderverschiebungen, die Medwedew übernommen hat“.
Er habe sich als ein sehr guter Präsidenten- bevollmächtigter erwiesen und sei auch schon als neuer Moskauer Bürgermeister oder Leiter der Präsidialverwaltung gehandelt worden: „Das ist eine Beförderung und Auszeichnung für gute Dienste. Von Poltawtschenko wird die Stabilisierung der politischen Situation in St. Petersburg erwartet.“