SPb.: Stadtregierung klinkt sich ins soziale Netz ein
St. Petersburg. Valentina Matwijenko, die Gouverneurin der Nördlichen Hauptstadt, macht eine Seite im russischen sozialen Netz „vkontakte“ auf. So will die Petersburger Stadtregierung interaktiv „mit dem Volk“ kommunizieren.
Zunächst wollte Frau Matwijenko sich eine persönliche Seite im Facebook aufmachen, aber jetzt hat sie sich anders entschieden. Auf der turnusmäßigen Sitzung der Stadtregierung sagte sie am Dienstag: „Ich möchte, dass daraus ein direkter Dialog mit dem Internet-Auditorium wird. Wir wollen dieselbe Sprache sprechen.“
“Informell, lebendig und neu“
Das Ziel der Gruppe sei, die Beamten und die Bürger einander näherzubringen und das „menschliche Gesicht“ derer zu zeigen, die im Smolny arbeiten. Die Gruppe „vkontakte“ solle „informell, lebendig und neu“ sein, fordert das Stadtoberhaupt. Starten soll sie Mitte April.
Und so schickt sie ihre Untergebenen los auf die Suche nach „interessanten Fotos, auf denen sie keinen Schlips tragen“. Das könnte ein Vizegouverneur beim Skilaufen in Finnland oder beim Angeln am Fluss oder die Gouverneurin selbst mit ihrer Enkelin auf dem Arm sein, erklärt Alexander Korennikow, der Pressechef des Smolny.
Scheu vor eigener Internetpräsenz
Es sollen nicht nur offizielle Informationen auf der Seite auftauchen, sondern gerade Dinge, „die man auf der offiziellen Seite der Stadtregierung nicht veröffentlichen kann“, „kreative Dinge“ eben.
Valentina Matwijenko gehörte bisher zu den Politikern, die sich mit ihrer eigenen Internetpräsenz schwertun. Sie hat weder eine Seite in den „Kontakten“ (die übrigens das größte soziale Internetnetz Russlands sind) noch einen eigenen Blog, geschweige denn einen Account bei Twitter.
Weniger Berührungsängste zeigt nicht nur Russlands „Vorreiter“ im Informationszeitalter Dmitri Medwedew, sondern auch der Gouverneur des benachbarten Leningrader Gebiets Valeri Serdjukow sowie ein Teil von Matwijenkos eigener Petersburger Regierungsmannschaft.
Gemeiner Hacker-Angriff
Sie nehme sich ein Beispiel an Wladimir Putin, sagt die Stadtherrin, denn der „halte eine Distanz zwischen sich und dem Internet-Raum“. Matwijenko verlässt sich lieber auf die traditionelle Kontaktpflege zu den Bürgern – über das Fernsehen und das Radio.
Matwijenkos Vorsicht vor den unendlichen Weiten des WWW ist vielleicht gar nicht so unbegründet. Kaum kam die Ankündigung aus dem Smolny, sich ins Netz einzuklinken, brachen Hacker in die offizielle Seite des FC Zenit ein und stellten zwei wenig schmeichelhafte Fotos mit einem sehr gemeinen Begleittext auf die Hauptseite.
Zu sehen waren Frau Matwijenko und Wadim Tjulpanow, der Vorsitzende des Petersburger Parlaments. Der Text strotzte nur so vor Beleidigungen gegen die beiden persönlich und ihre Partei „Einiges Russland“ im Besonderen.
Lange hielt sich der „fake“ allerdings nicht, dafür zieht er jetzt seine Kreise durch eben diese „sozialen Netze“. Auch „vkontakte“ gehört er zu den absoluten Rennern des Tages…