Zu dem Unfall kam es bereits letzten Sonntag, aber niemand wollte dem „Missgeschick“, bei dem zum Glück niemand verletzt wurde, große Bedeutung beimessen. Die „Nowaja Gaseta“ hat rund um die eingeknickte Metallbewehrung recherchiert und einige unglaubliche Dinge ans Tageslicht befördert.
Sklavenarbeit auf Risikobaustelle Oleg Bodrow von der Umweltschutzgruppe „Seljony mir“ (Grüne Welt) erzählte den Journalisten des Blattes schockierende Einzelheiten rund um den Bau von LAES-2 (Leningrader Atomkraftwerk-2): Auf der höchst sensiblen Baustelle seien Gastarbeiter aus der russischen Provinz, der Ukraine und Weißrussland beschäftigt, die in menschenunwürdigen Verhältnissen hausten.
In Baracken am Stadtrand von Sosnowy Bor untergebracht, würden sie jeden Tag zu ihrer 12-Stundenschicht gefahren. Die Pässe habe man ihnen abgenommen, sie dürften sich nicht frei bewegen. In der „Siedlung“ gäbe es kein heißes Wasser, die Behausungen würden kaum geheizt.
„Sich darauf zu verlassen, dass Menschen, die unter Sklavenbedingungen arbeiten, qualitativ gute Arbeit leisten, ist unmöglich“, so Bodrow. Da stelle sich sie Frage: Warum arbeiten auf einem strategischen Objekt wie diesem Ungelernte und Ausländer?
Auftraggeber und Auftragnehmer in einer Person So etwas habe es in der Sowjetunion nicht gegeben, so die Zeitung. Der Bau von Atomanlagen, die dem Staatsgeheimnis unterliegen, sei immer scharf kontrolliert worden, jetzt seien dagegen Schlamperei, Inkompetenz und Regelverletzungen gang und gäbe.
Dazu komme, dass als Bauherr und Kontrollinstanz das Planinstitut „LenAtomEnergoProjekt“ auftritt. Die übergeordnete Behörde RosAtom, die den Bau von LAES-2 betreibt, würde allenfalls von den eigenen Unterbehörden kontrolliert werden:
„RosAtom erstellt selbst das Projekt, wählt selbst den Bauunternehmer, bezahlt selbst die Arbeiten und kontrolliert sich selbst“, heißt das Fazit der „Nowaja Gaseta“. In diesen „geschlossenen Kreis“ könne niemand eindringen, nicht einmal der FSB.
Die Folge: Pfusch, Diebstahl und Willkür seien keine Grenzen gesetzt – und das bei einem so empfindlichen Projekt wie einem Atomkraftwerk, wo jeder Baufehler gefährliche Folgen haben kann.
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