Der Stalin, der gestern noch stolz auf einem Bus der Linie K-187 über den Newski Prospekt rollte, sieht inzwischen nicht mehr so repräsentabel aus. Die Internet-Zeitung „fontanka.ru“ publizierte Fotos, die zeigen, dass der Bus inzwischen Opfer einer Sprayer-Attacke wurde: Das Gesicht des größten Stalin-Porträts auf dem Fahrzeug wurde mit weißer Farbe übermalt.
Aus der Meldung ging nicht hervor, ob der Bus in diesem Zustand erneut zum Einsatz kam. Das Porträt auf einer Klebefolie wurde von einer Blogger-Initiative finanziert, die den Bus zwei Wochen lang als Werbefläche anmietete.
Das private Busunternehmen SPP ist dabei eines der wenigen, das seine Linie nicht mit einer Genehmigung der städtischen Verkehrsbehörde betreibt, weshalb seit Jahren ein Rechtsstreit anhängig ist. Auch läuft eine Konkursklage gegen die Firma.
Stalin-Bild im Innenhof wieder abgehängt Die Hausverwaltung am Moskowski Prospekt 172 hat ihre zum Siegestag aufgehängten Stalin-Bilder hingegen auf eine Forderung der Stadtteil-Administration selbst wieder abgenommen. Die Behörde wurde im Laufe des Tages mit wütenden Anrufen eingedeckt, worauf man bat, die Stimmung doch nicht unnötig anzuheizen.
Das Porträt war auf Bitten eines Kriegsveteranen in einer unauffälligen Ecke des jedes Jahr zum Siegestag eigens dekorierten Hofes installiert worden. In einem Begleittext hieß es dabei, es handele sich nicht um eine Verherrlichung Stalins, sondern nur um die Darstellung der Tatsache, dass dieser im „Großen Vaterländischen Krieg“ der Oberkommandierende der Streitkräfte gewesen sei.
Doppelt so viele Stalin-Gegner wie Stalin-Freunde Bei einer Online-Leserbefragung auf fontanka.ru hatten 22 Prozent der 1525 Teilnehmer die Stalin-Porträts begrüßt, 44 Prozent sie jedoch abgelehnt.
Die Menschenrechtsorganisation „Memorial“ hatte die Stadtverwaltung gestern schriftlich aufgefordert, den Bus mit den Stalin-Bildern aus dem Verkehr zu ziehen. Die Verkehrspolizei GIBDD erklärte, dass es keine juristische Handhabe gebe, den Bus zu stoppen. „Ist Stalin bei uns verboten? Nein“, so ein Sprecher der Behörde.
Stalin darf gezeigt werden, man tut es nur besser nicht Die Verherrlichung des Sowjetdiktators, der nach Schätzungen das Leben von etwa 50 Millionen seiner Landsleute auf dem Gewissen hat, ist in Russland in der Tat nicht untersagt, aber politisch und moralisch geächtet. Kommunisten und auch viele Kriegsveteranen ist jedoch viel an einer gebührenden Würdigung des Weltkriegs-Siegers gelegen.
Vereinzelt wurden und werden deshalb in Russland immer wieder einmal Stalin-Denkmale oder Plakate mit dem Porträt des „Großen Führers“ aufgestellt - besonders jetzt, kurz vor dem überall im Land mit gehörigem Aufwand gefeierten 65. Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg.
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