St. Petersburg. Die Welterbe-Konferenz der UNESCO hat eine internationale Expertise über den Bau des 403 Meter hohen Gazprom-Turms beschlossen. Bis 2011 wird auf dem Bauplatz an der Ochta also nichts passieren.
Die 34. Jahrestagung des UNESCO-Komitees für das Erbe der Welt tagt noch bis Dienstag in Buenos Aires in Brasilien. Russland war aufgefordert, Rechenschaft über den geplanten Bau des Wolkenkratzers abzugeben, der Petersburg nach Meinung der UNESCO in die Liste der „gefährdeten Objekte“ verschieben könnte.
Diskussionen um ein Phantom?
Die russische Delegation, angeführt von Petersburgs oberster Denkmalschützerin Vera Dementjewa, versuchte laut der Zeitung „Kommersant“ vergeblich, das hohe Gremium im Laufe der Tagung von der Nicht-Existenz des Gazprom-Büroturms zu überzeugen.
Vergeblich – obwohl am Ochta-Flüsschen gegenüber dm Smolny-Kloster tatsächlich noch nicht gebaut wird, finden die internationalen Hüter des Weltkulturerbes allein die Tatsache alarmierend, dass die Petersburger Stadtregierung für den 403 Meter langen „Maiskolben“ (Petersburger Volksmund) eine Sondergenehmigung im Höhenreglement ausgesprochen hat.
Die UNESCO hatte Russland schon vor Längerem aufgefordert, die Bautätigkeit einzustellen. Als sich Präsident Medwedew höchstpersönlich sich auf die Seite der Kulturdenkmalschützer stellte, erschien auf deren offizieller Website sogar eine „Gratulation anlässlich der Einstellung der Bautätigkeit am Ochta-Center“.
UNESCO fordert Pufferzonen
Das offizielle Petersburg weist dies indes zurück, wiederum mit dem Argument: Wo nichts gebaut wird, kann auch nichts angehalten werden. Auf diese Weise redeten JUNESCO und Petersburg vor und auf der Jahrestagung grundsätzlich aneinander vorbei.
Die UNESCO bemängelt außerdem, dass Petersburg sich nicht um die geforderten „Pufferzonen rund um das Stadtzentrum und das Panorama der Newa“ gekümmert hat. In eine dieser noch nicht existenten Pufferzonen gerät eben gerade das heiß umstrittene Ochta-Center mit dem überlangen Büroturm.
Gazprom hat sich laut Dementjewa jetzt einverstanden erklärt, „die Entwicklung des Projekts bis zur Durchführung einer internationalen Expertise einzustellen“. Diese unabhängige Expertise soll den Schaden abschätzen, den der Gazprom-Turm der „historisch-kulturellen Landschaft St. Petersburgs“ beifügen kann. Über alle von der UNESCO gestellten Aufgaben muss Russland bei der 35. Jahrestagung in einem Jahr Rechenschaft ablegen.
Moskauer Kreml und Kischi auch gefährdet
Neben Petersburg macht sich das Welterbe-Komitee der UNESCO Sorgen um drei andere russische Objekte, die auf der Welterbekulturliste stehen. Dabei handelt es sich um den Moskauer Kreml mit dem Roten Platz, die Insel Kischi im Onega-See und das Ferapontow-Kloster in der Nähe von Wologda.
Am meisten empören sich die Kulturerbeschützer über Neubauten auf der Insel Kischi, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den einzigartigen Holzkirchen. „Je de Bautätigkeit muss eingestellt werden“, wird gefordert.
Bis zum 1. Februar 2012 soll Russland nachweisen, dass auf Kischi wieder alles beim Alten ist – ansonsten droht auch hier der Wechsel auf die Liste der gefährdeten Objekte.