Am Architekturwettbewerb um den Tanzpalast im Zentrum der künftigen Europa-Uferstraße zwischen der Börsen- und der Tutschkow-Brücke in St. Petersburg nehmen vier renommierte Büros teil, drei ausländische und ein russisches. Am 21. Juli entscheidet eine Jury, wer den Zuschlag erhält.
Mit von der Partie sind der französische Baumeister Jean Nouvel, das norwegische Büro Snohetta AS, das UN Studio aus den Niederlanden und das Petersburger Atelier Semzow, Kondiain und Partner.
„Ich kann nicht in einem U-Boot arbeiten“
Boris Ejfman, Chefchoreograph der gleichnamigen modernen Ballett-Truppe, hatte vor Ausrufung des Wettbewerbs deutlich gesagt, was er haben will als Tanzpalast: „Etwas Klassisches, so wie das Alexandra-Theater“.
Was er nicht haben will, war auch klar: „So wenig wie möglich von eurem Glaszeug“, gab er leicht verächtlich von sich. Unerträglich findet er Bühnenhäuser, in denen ein Teil der Räume unter der Erde liegt.
„Ich kann nicht in einem U-Boot arbeiten“, lautete sein Kommentar bei einem Gastspiel am Opernhaus in Peking, das der französische Architekt Paul Andre in Form eines halb in die Erde versenkten gigantischen Eis konzipiert hatte.
Halbkugeln und tanzende Säulen
Andre sitzt übrigens in der Petersburger Jury, was für Ejfman sicher kein gutes Omen ist. Zumal alle drei Ausländer eben gerade mit viel Glas, kühnen Formen und bis zu zehn Meter Bau in die Tiefe daherkommen.
So schlägt Nouvel eine 34 Meter hohe Halbkugel vor, die außen aus dunklem Glas besteht. Snohetta glänzt durch weißen Beton und Marmor; die Fassade wird bestimmt von tanzenden Säulen. Das UN Studio baut auf den nahtlosen Übergang von Vorplatz und Foyer.
Allein Semzow, Kondiain und Partner haben sich – zumindest äußerlich – an die klassische Variante von Theaterbauten gehalten. Aber auch hier dürfte Maestro Ejfman nicht behagen, dass einige Diensträume unter der Erde liegen.
Wie Russland-Aktuell schon mehrmals berichtete, soll der Tanzpalast den Mittelpunkt der architektonischen Konzeption der geplanten Europa-Uferstraße auf der Petrograder Seite bilden. Bis 2014 soll die Errichtung des Komplexes abgeschlossen sein. Ob das „in den Zeiten der Krise“ realistisch ist, wird sich zeigen.
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