St. Petersburg. Die Qualmwolke der Torfbrände erreichte am Sonntag die Newa – und verzog sich über Nacht wieder. Am Vortag war mit über 37 Grad ein für die „nördliche Hauptstadt“ extremer Hitzewert gemessen worden.
Das vergangene Wochenende war in St. Petersburg reich an meteorologischen Extremsituationen: Nach gut einer Woche angenehmen Sommerwetters wurde der Samstag zu einer echten Härteprüfung: Der Tag begann eher trüb und wolkig, sogar mit ein paar Regentropfen. Doch dann kam die Sonne raus und die Hitze stieg und stieg – und kein kühlendes Lüftchen ging.
37 Grad - Rekordhitze am Samstag
Das Ergebnis war ein neuer Hitzerekord seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor gut 130 Jahren: 37,1 Grad meldete das Petersburger Wetteramt – fast volle zwei Grad mehr als der bisherige historischer Höchstwert von 35,3 Grad. Wobei selbiger Rekord gerade einmal zehn Tage alt war. Bis dahin hatte das Temperaturmaximum von St. Petersburg seit 1998 bei 34,6 Grad gelegen. Eigentlich wird es in einem typischen Petersburger Sommer ja nur selten über 25 Grad warm …
Wüstenwind brachte Qualm, keinen Sand
In der Nacht auf Sonntag spielte das Wetter dann endgültig verrückt: Im Morgengrauen fegte ein 29 Grad heißer trockener Sturm durch die Stadt und wirbelte allerlei Müll herum. Das Gefühl am offenen Fenster war wie bei einem aufkommenden Sandsturm – nur eben ohne Sand. Eine Stunde später gewitterte es heftig und es goss wie aus Kübeln.
Dies war allerdings kein reinigendes Gewitter, sondern das Vorrücken der qualmgesättigten Luftmassen aus dem Moskauer Raum: Erst wurde es trüb und ungeheuer schwül, am Nachmittag legte sich dann ein dichter Grauschleier über die Stadt. Die Sonne wurde zu einer fahlen Funzel – und es begann, merklich nach Rauch zu riechen.
Spätestens das ungewohnte Kratzen im Hals machte klar: Auch die nördliche Hauptstadt ist von der notorischen Qualmwolke über Moskau eingeholt worden – und man schloss zuhause tunlichst mal die Fenster.
Keine aktuelle Information über Luftbelastung
Wie hoch die Belastung der Atemluft ist, wusste niemand: Wie die Internetzeitung Fontanka.ru berichtete, waren die entsprechenden städtischen Behörden im Wochenende – oder verwiesen darauf, dass sie selbst erst noch die Daten auswerten müssen.
Im Vergleich zu den letzten Horror-Tagen in Moskau war die Schadstoff-Konzentration wohl deutlich geringer. Immerhin betrug die Sichtweite noch einige hundert Meter. Auch Menschen mit Atemmasken waren auf den Straßen nicht zu bemerken.
Nachfrageschub nach Luftreinigern
In einem Fachgeschäft für Gerätschaften für Allergie- und Asthmakranke in der Innenstadt herrschte für einen sommerlichen Sonntag Abend kurz vor Geschäftsschluss dennoch reges Treiben: Ein Kunde nach dem anderen kam herein - und ging mit einem Luftreinigungsgerät für 10.000 bis 30.000 Rubel (d.h. 250-750 Euro) beglückt nach Hause: Ahnte man doch, dass spätestens am nächsten Tag diese Apparate hoffnungslos ausverkauft sein werden.
Doch so kommt es wohl nicht: Im Laufe der Nacht drehte der in der Stadt kaum spürbare Wind von Südost auf Süd – und am Morgen bot sich wieder klare Sicht und die übliche Stadtluft zum Atmen.
Feinstaub-Plan dreifach übererfüllt!
Nach Angaben des städtischen Umweltkomitees waren am Wochenende die Grenzwerte für Feinstaub (PM10) um das Dreifache der zulässigen Norm überschritten. Der Wert für Stickstoff-Dioxid lag um 10 Prozent über der Norm. Am Montag um 11 Uhr war die Feinstaub-Belastung dann auf nur noch 20 Prozent über dem Grenzwert gesunken.
Für den Abend wurde bereits eine Warnung vor einem aufziehenden Unwetter mit Gewitter und Sturmböen gegeben. Danach soll der Wind auf Westen drehen, was zumindest für die nächsten zwei Tage die Stadt sicher vor neuen Aufzügen der Qualmwolke schützen sollte.
Und es soll deutlich kühler werden: Nur noch um die 20 Grad – und das tagsüber!