Wird Duma-Sprecher Gryslow Petersburger Gouverneur?
St. Petersburg. Der Vorsitzende des russischen Parlaments Boris Gryslow könnte zum neuen Gouverneur von St. Petersburg ernannt werden. Die Kreml-Partei Einiges Russland hält Presseberichte darüber jedoch für „verfrüht“.
Die Zeitung „Kommersant“ macht sich am heutigen Dienstag Gedanken darüber, wer nach Valentina Matwijenkos Weggang in den Föderationsrat den Sessel im Smolny einnehmen könnte. Neuester „heißer“ Kandidat für den Posten ist kein anderer als Staatsduma-Sprecher Boris Gryslow.
Den Anlass für derartige Überlegungen liefert sein Erscheinen auf der Primaries-Liste von ER. Die „Partei der Macht“ veranstaltet vom 21. Juli bis 10. August nach amerikanischem Vorbild interne Vorwahlen, um die Kandidaten für die Wahlliste zu den Duma-Wahlen im Dezember zu bestimmen.
Rebranding bei ER
Gryslow steht für die Petersburger Regionalzentrale der Partei auf der Primaries-Liste. Politexperten sind der Meinung, er könne im Falle eines guten Wahlausgangs für ER in St. Petersburg für den Gouverneursposten vorgeschlagen werden.
Für Georgi Tschischow vom Zentrum für Polittechnologien steht Gryslows mögliche Ernennung zum Petersburger Stadtchef im Zusammenhang mit einem „Rebranding“ der Putin-Partei, soll heißen: Einiges Russland möchte mit neuen Gesichtern einen Neustart fahren.
Wer steht in der Schlange?
Aus der Führungsetage von ER erfolgt aber gleich ein Dementi: Juri Schuwalow vom Generalrat der Partei hält die Mutmaßungen der Presse für verfrüht und erklärt sie zur Sensationshascherei: „Die Zeit ist noch nicht gekommen, über die Gouverneurswahl in Petersburg zu sprechen. (…) Die Nachricht ist erdacht, weil es im Sommer nichts zu melden gibt.“
Vor einigen Wochen hatte es geheißen, der neue Gouverneur könnte schon am 24. August ins Amt eingeführt werden. Zu den „heißesten“ Kandidaten gehören der stellvertretende Präsidialamtsleiter Alexander Begloww, sein Vorgesetzter Sergej Naryschkin und Vizeregierungschef Dmitri Kosak.
Genannt wurden auch die Namen von Rechnungshofleiter Sergej Stepaschin und dem aktuellen Petersburger Vizegouverneur Juri Moltschanow. Auch der geschasste Föderationsratsvorsitzende Sergej Mironow hat erklärt, er würde eventuell für den Posten zur Verfügung stehen.
Sollte tatsächlich am 24. August ein Matwijenko-Nachfolger bestimmt werden, könnte dessen Zeit im Smolny allerdings kurz werden – bis nach den Dezemberwahlen, wenn der „richtige“ und langfristige kommt.