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Was bleibt von Kurokawas Raumschiff für den FC Zenit? (Foto: fontanka.ru)
Mittwoch, 17.02.2010

Zenit-Stadion: Kurokawas Raumschiff gehts an den Kragen

St. Petersburg. Für die Umkonstruierung des bereits im Bau befindlichen Fußball-Stadions in Petersburg wird ein neuer Wettbewerb ausgeschrieben. Kurokawas Entwurf könnte kippen, wie zuvor Neu-Holland und der Neubau für das Mariinski-Theater.

Eigentlich sollte in der „Gazprom-Arena“ auf der Krestowski-Insel bereits in der Saison 2011 der Ball rollen, aber daraus wird nichts. Die Petersburger Stadtregierung berücksichtigt die Forderungen zweier so unterschiedlicher Organe wie der Brandschutzbehörde und des Weltfußballverbands FIFA und schreibt einen 454 Millionen Rubel (knapp elf Millionen Euro) teuren neuen Wettbewerb aus.

Weltmeisterschafttauglichkeit an erster Stelle


Während die Brandschützer mehrere technische Mängel mokieren, verlangt die FIFA statt 62.000 Plätzen 67.000 – sonst ist Zenits neue Fußballheimat nicht WM-tauglich. Und das soll sie unbedingt sein, bewirbt Russland sich doch um die Austragung der Weltmeisterschaft 2018 oder 2022.

Das bedeutet: Die mutige, an ein Raumschiff erinnernde Konstruktion des japanischen Architekten Kisho Kurokawa muss erheblich modifiziert werden. Wie aus der technischen Dokumentation hervorgeht, werden u. a. die tragenden Konstruktionen für das Schiebedach um 60 Prozent und die Konfiguration der Tribünen um 36-40 Prozent verändert.

Perrault und Foster lassen grüßen


Dabei beteuert Gouverneurin Valentina Matwijenko, das Äußere der Arena würde genau nach Kurokawas Entwurf gestaltet. Allein – es mag ihr so recht niemand glauben in der Newa-Metropole. Zu gegenwärtig ist Experten wie einfachen Bürgern, wie die Stadt gnadenlos gegen die Projekte internationaler Stararchitekten vorgegangen ist.

Erinnert sei an dieser Stelle an die skandalöse Geschichte um den Neubau für das Mariinski-Theater. Erst machte der hypermoderne Entwurf des Franzosen Dominique Perrault Furore, dann wurde er Stück für Stück demontiert und schließlich durch eine mehr oder minder konventionelle Lösung ersetzt.

Das jüngste Beispiel liefert die Absage der Stadt an das Projekt des Briten Norman Foster zum Bau eines Kultur- und Freizeitzentrums auf der Insel Neu-Holland am westlichen Ende der Petersburger Innenstadt.

Das Muster ist überall das gleiche: Erst brüstet sich die Stadt mit der internationalen Beteiligung und ihrem angeblich gewachsenen Renommee in der Welt – und dann lässt sie ein Projekt nach dem anderen am ausgestreckten Arm verhungern.

Anpfiff in der Gazprom-Arena in weiter Ferne


Wann das neue Stadion – in welche architektonische Form gekleidet, sei dahin gestellt – seine Arbeit aufnimmt, steht in den Sternen. Matwijenko sichert sich schon mal im Voraus ab. „Die Stadt ist nicht Schuld an der Fristenänderung“, sagte sie am Dienstag auf einer Sitzung im Smolny.

Dabei kann heute niemand sagen, wie weit sich die Fertigstellung der Arena hinauszögert. Der Wettbewerb zur Umkonstruierung läuft bis zum 18. März, bis Mitte November muss der Sieger den neuen Entwurf und die technische Dokumentation vorlegen.

Erst danach wird klar, wie hoch die Mehrkosten sind und wie die neue Deadline heißt. Bisher geht die Stadt von 24 Milliarden Rubel (580 Millionen Euro) und einer Frist von 2010 aus. Letzteres gehört bereits jetzt ins Reich der Utopie und der fliegenden Untertassen, die dem (inzwischen verstorbenen) Japaner einst vorschwebten.


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