Petersburger Hafen räumt Zufahrten mit Atomenergie
St. Petersburg. Der größte Atomeisbrecher der Welt wird heute in Murmansk in Richtung Ostsee aufbrechen. Der von zwei Reaktoren angetriebene Eisbrecher soll dort Schiffen einen Weg in die russischen Häfen bahnen.
Die „50 Let Pobedy“ (50 Jahre des Sieges) kehrt mit der Fahrt einmal um Skandinavien aus der Arktis an ihren Geburtsort zurück: Das Schiff wurde 1989 beim Baltischen Werk in St. Petersburg auf Kiel gelegt und hatte 1993 Stapellauf.
Doch mit der – wie der Name verrät - für 1995 geplanten Inbetriebnahme wurde es nichts: Das Projekt wurde aus Geldmangel auf Eis gelegt. Erst 2003 wurde der Bau wieder aufgenommen, 2007 war der 160 Meter lange und 30 Meter breite Gigant fertig.
Letztes Jahr erstmals Atomeisbrecher auf der Ostsee
Wie die ganze russische Atomeisbrecherflotte ist er in Murmansk stationiert und eigentlich für das Freihalten der Seewege an der russischen Nordküste gedacht. Doch schon im letzten Jahr, als sich auf der Ostsee eine ungewöhnlich dicke Eisdecke bildete, forderte die russische Hafenbehörde zur Unterstützung der russischen Diesel-Eisbrecher auf der Ostsee atomar angetriebene Verstärkung aus Murmansk an.
Damals kam der wegen seines geringen Tiefgangs eigentlich für Flussmündungen prädestinierte Atomeisbrecher „Waigatsch“ zur Unterstützung. Wegen der anhaltend schwierigen Eislage wurde sein Engagement mehrfach bis zum 10. April verlängert.
Drei Monate Räumdienst vor St. Petersburg
Den russischen Schifffahrts-Verantwortlichen scheinen nach dem letztjährigen Hilfseinsatz auf den atomaren Geschmack gekommen zu sein: Nun soll, obwohl kein Eisnotstand herrscht, die „50 let pobedy“ in einer Woche vor St. Petersburg eintreffen und dann 100 Tage lang für freie Fahrt auf den Hafenzufahrten sorgen.
Nach Aussage des Petersburger Hafenkommandanten Pjotr Parinow bedeutet der Einsatz des Atomeisbrechers eine beträchtliche Einsparung an Treibstoff und Wartungsaufwand bei der Diesel-Flotte. Russland verfügt als einziges Land der Erde über Atomeisbrecher, gegenwärtig sind sechs solcher Schiffe einsatzbereit.
Es gibt auch Pannen bei den Reaktor-Schiffen
Ohne atomares Restrisiko sind sie allerdings auch nicht: So musste ein Eisbrecher im Mai 2011 seinen Einsatz vor Nordsibirien abbrechen, nachdem Radioaktivität ausgetreten war - nach offiziellen Angaben in einer unschädlich geringen Menge. Und im Dezember gab es zwie Tote bei einem Brand auf der "Wajgatsch" - allerdings nicht im Antriebs-, sondern im Kabinenbereich.
Das jetzt angeforderte atomgetriebene Schiff ist mit 75.000 PS mehr als doppelt so stark wie die sonst auf der Ostsee eingesetzten Eisbrecher. In diesem Jahr begann die Eisbildung dort wegen des zunächst sehr milden Winters allerdings später als in den letzten 100 Jahren.
Der Frost, der dieser Tage einsetzte und noch deutlich stärker werden soll, wird dem Atomeisbrecher aber dennoch etwas zu knacken bieten. Der atomare Kraftprotz hat dabei mit jedweder Ostsee-Eisdecke leichtes Spiel: Er kann während der Fahrt auch 2,80 Meter dickes Eis zermalmen.