Iran rüstet auf, Russland stärkt potentiellen Gegner
Moskau. Nachdem am Samstag das von Russland gebaute Atomkraftwerk Busher feierlich in Betrieb genommen worden war, stellte der Iran am Sonntag ein neues ferngesteuertes Bombenflugzeug vor. Russland hat dem Iran Flugabwehrraketen geliefert.
Die Unterstützung für den Iran ist für Russland selbst riskant, auch wenn immer wieder betont wird, dass es um rein friedliche Kooperation geht, um rein friedliche Nutzung der Atomenergie und ebenso friedliche Wirtschaftsbeziehungen.
Militärische Komponenten sind allerdings nicht zu übersehen und russische Erklärungen, mit den Flugabwehrraketen werde nur rein defensiv die Verteidigungsfähigkeit des Iran gestärkt, sind nicht ganz zutreffend, denn unter dem Schild einer effektivierten Verteidigung kann der Iran auch Offensivwaffen entwickeln und tut dies anscheinend auch.
Die Einschätzung, dass dies aber nur zur Verschärfung des Konflikts Iran/Israel-USA führen würde, iranische Raketen also - wenn überhaupt - gegen die westlichen Teufel gerichtet wären, stimmt auch nicht ganz, denn auch zwischen dem Iran und Russland gibt es mehr als genug Konfliktpotential - das bei Bedarf auch angefacht werden kann.
Historisch gab es mehr Krieg als Frieden zwischen Russland und dem Iran
In den vergangenen 1.000 Jahren gab es jedenfalls wahrscheinlich mehr Krieg als Frieden zwischen dem Iran und Russland, meist um die Vorherrschaft im Kaukasus, dem Kaspi-Raum und in Mittelasien.
So sehr also Russland vielleicht auch den Iran als ein Gegengewicht zu den USA und Israel stärken möchte, fast ebenso sehr muss Russland auch befürchten, dass ein wieder erstarkender Iran auch ein potentieller Gegner ist. Ganz abgesehen davon, dass Russland durchaus auch enge Beziehungen zu den strategischen Gegnern des Iran im Nahen Osten unterhält - inklusive Israel, wo ein gutes Viertel der Bevölkerung russisch spricht.
Russland will ebensowenig einen agressiven Iran, wie der Westen
Dementsprechend darf Russland also den Iran nicht bedenkenlos stärken und aufrüsten - und tut es auch nicht.
Auf jedem Kooperationsfeld versucht Russland Sicherungen für die eigenen Interessen einzubauen. Sicherungen, die durchaus auch den Interessen Europas, Israels und der USA entsprechen.
Auf jedem Kooperationsfeld werden Sicherungen eingebaut
Während der Inbetriebnahme des AKW Busher am vergangenen Samstag wurde eine gemeinsame Betreibergesellschaft für den Reaktor gegründet, durch die russischer Einfluss abgesichert wird. Vor allem aber soll der von Russland gelieferte Kernbrennstoff nach der Nutzung in Busher wieder an Russland zur Wiederaufbereitung zurückgegeben werden.
Während des gesamten Brennstoffkreislaufes soll es eine dichte Kontrolle der Internationalen Atomaufsicht IAEO geben. So scheint gewährleistet, dass aus den russischen Brennelementen kein iranisches Bombenuran gewonnen werden kann. Allerdings stärkt das AKW Busher das Atom-Know-how des Iran - das von Teheran schliesslich auch für nicht-friedliche Zwecke genutzt werden kann.
Die militärische Komponente in der Kooperation ist ebenso widersprüchlich - und unübersehbar. Russland hat dem Iran bereits vor Jahren (trotz heftiger Proteste aus Israel und den USA) Tor-Flugabwehrraketen für den Kurzstreckenbereich geliefert.
Zur gleichen Zeit war ein Vertrag über die Lieferung von S-300 Flugabwehrsystemen unterzeichnet worden, die die iranische Luftverteidigung rund um empfindliche Atomanlagen stärken würden.
Es gab Gerüchte, die S-300 hätten mit dem Geisterschiff Arctic Sea an dem internationalen Widerstand vorbei heimlich an den Iran geliefert werden sollen, diese Operation sei dann aber doch durch den israelischen Geheimdienst Mossad verhindert worden.
In Moskau jedenfalls wird mal bestätigt, mal dementiert, dass die S-300 geliefert worden seien. Mal wird dem Iran Vertragstreue versichert, mal den Israelis ewige Freundschaft.
Mit der Präsentation seines neuen Waffensystems "Karrar" am vergangenen Sonntag - am Tag nach der Inbetriebnahme des AKW-Busher - scheint der iranische Präsident Ahmadinadschad Moskau wieder einmal in die Klemme gebracht zu haben, jedenfalls nach dem hiesigen Medienecho zu urteilen.
Die ferngesteuerten Bombenflugzeuge "Karrar" sollten "Boten des Todes für die Feinde der Menschheit" sein, tönte Ahmedinedschad bei der Präsentation - versicherte dabei aber, sie dienten nur der Abschreckung und Verteidigung.
Tatsächlich verfügt der Iran bereits über einige selbst entwickelte Drohnen-Typen (Ababil, Mohajer, Sahad und Faraz) und über Mittelstreckenraketen - und hat sie bisher, trotz allen Säbelrasselns, nicht eingesetzt.
Das ist natürlich keine Garantie für die Zukunft, aber wahrscheinlich ist die Einschätzung zutreffend, dass der Iran nach jahrzehntelangen Wirren keinen Krieg, sondern eine langwährende Friedensperiode will, in der er zu alter Stärke aufblühen könnte.
Russland unterstützt damit, dass er den Iran in Kooperations-strukturen einbindet, jedenfalls diese Entwicklungs-möglichkeit - aber nicht ohne Risiko für sich selbst.