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Ausgebremst: Manche Straßen in Russland (hier in Jakutien) sind so schlecht, dass sich dort niemand zu Tode fahren kann. Aber sobald es Asphalt hat ... (Foto: Archiv/.rufo)
Dienstag, 04.05.2010

Keine Katastrophe? 211 Verkehrstote am Wochenende

Moskau. 211 Todesopfer – wären sie alle bei einem Unglück umgekommen, wäre dies jetzt das Nachrichtenthema Nr. 1 in Russland. Doch es ist nur die Unfallbilanz des langen Wochenendes zum Auftakt der Datscha-Saison.

1.671 schwere Unfälle registrierte die russische Verkehrspolizei am dreitägigen Feiertags-Wochenende in Russland. 211 Menschen starben dabei, 2.138 wurden verletzt.

Opfer wie bei einem "Jahrhundert-Unglück"


Um eine solche Opferzahl mit anderen Transportmitteln zu erreichen, müssten schon zwei vollbesetzte Züge ineinander rasen oder zwei Kreuzfahrtschiffe kollidieren und sinken. Ein solches Unglück würde das Land lange beschäftigen. Auf die Verkündung von mindestens einem Tag Staatstrauer müsste man nicht lange warten.

Erst würde getrauert, dann würden Schuldige gesucht - und schließlich vielleicht auch Schlüsse gezogen, wie das passieren konnte und wie man eine Wiederholung verhindern kann.

Die zahlreichen Verkehrsunfälle sind hingegen „nur“ familiäre Tragödien, übers ganze Land verteilt – und schaffen es allenfalls in die lokalen Nachrichten. Der demographische und volkswirtschaftliche „Schaden“ ist aber der gleiche.

Rückläufige Unfallbilanzen - dank Airbags und Strafen


Zwar ist die Zahl der Verkehrstoten in Russland in den letzten Jahren deutlich rückläufig - obwohl die Zahl der Autos rapide zugenommen hat.

Grund dafür dürfte sein, dass immer mehr Autofahrer in vergleichsweise sicheren (ausländischen) Autos sitzen, die serienmäßig mit ABS, Airbags und anderen Sicherheitsfeatures ausgestattet sind – im Gegensatz zur Masse der Ladas, Wolgas und sonstigen Errungenschaften des sowjetischen Autobaus.

Auch die Erhöhung der Strafe für nicht angeschnalltes Fahren von lächerlichen 100 auf 500 Rubel hat viele Leben gerettet.

Moskau ist viermal tödlicher als London


Aber noch immer ist der Straßenverkehr in Russland im Vergleich zu „Europa“ lebensgefährlich: Allein in Moskau (wo es vergleichsweise gute Straßen und viele Import-Autos gibt) gab es im letzten Jahr 746 Verkehrstote.

Das sind zwar 14 Prozent weniger als 2008 – aber doch fast viermal mehr als in der ähnlich großen Megalopolis London. Dort kostete der Straßenverkehr 2009 nur 196 Menschen das Leben.

An den Straßen und den Autos allein liegt es also nicht - sondern am Fahrstil und Sicherheitsbewusstsein der Verkehrsteilnehmer in Russland.

Denn wo sonst ist es noch üblich, dass Autofahrer sich auf den geschlossenen Gurt setzen (damit es so aussieht als ob) - oder Fußgänger bei Rot einen Schritt weit auf der Fahrbahn warten?


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