André Ballin, Moskau. 120.000 Hektar Wald stehen in Flammen, Dutzende Ortschaften sind ausgelöscht, über 2.000 Menschen obdachlos, 48 Menschen sind tot. Doch an der Feuerkatastrophe ist nicht die Natur allein schuld.
Während über 150.000 Rettungshelfer mit den Flammen kämpfen, haben noch längst nicht alle Russen den Ernst der Lage begriffen. Denn menschliche Unachtsamkeit, Ignoranz und Rücksichtslosigkeit, zuweilen sicher auch Korruption haben zu dieser Tragödie beigetragen.
„Unsere Arbeit, die Sicherheit von Ortschaften und das Leben von Menschen hängen auch davon ab, wie sich die Leute in ihrer Freizeit benehmen“, mahnte Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu.
Da brat mir einer ein Schaschlik!
Was die Feuerwehr in der Woche an Fortschritten gegenüber den Waldbränden erziele, werde am Wochenende wieder vernichtet, klagte der Minister. Ein Schaschlik im Wald gebraten schmeckt nur so lange gut, so lange nicht das eigene Fleisch anbrennt.
Erholung in der freien Natur verstehen viele Russen leider immer noch als Fress- und Sauforgie im Wald, wobei anschließend der eigene Müll zur „Verschönerung“ der Landschaft liegen bleibt. Zerbrochene Flaschenreste, ein vergessenes Lagerfeuer oder auch einfach weggeworfene und nicht ausgedrückte Zigarettenkippen sind häufiger Verursacher lokaler Brände.
Änderung in der Einstellung der Menschen nötig
Und so erinnert Schoigu mit seinen Äußerungen an den einsamen Rufer im Wald. In seinem Vergnügen lässt sich kaum ein Russe stören. Auch Verbote helfen da nicht viel. In Russland gilt seit jeher: „Die Härte des russischen Gesetzes wird durch seine Nichteinhaltung gemildert“. Es muss sich etwas in der Einstellung der Menschen selbst ändern. Die Haltung „Hoppla, hier komme ich“, muss einem rücksichtsvollen Umgang mit anderen Menschen und der Umwelt weichen.
Doch das ist eine langwierige Aufgabe. Gefragt ist eine Erziehung zu gegenseitiger Rücksicht schon von Kindesbeinen an. Schnelle Resultate sind leider nicht zu erwarten.