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US-Raketenabwehrsystem (Foto: TV/Archiv)
Freitag, 18.09.2009

Mogelpackung? Obama modifiziert Raketenschirmpläne nur

Moskau. Während Präsident Medwedew Obamas Raketenschirm-Entscheidung als guten Ansatz begrüsst, warnt Russlands Nato-Botschafter Rogosin vor "kindlicher Euphorie". Im Prinzip habe nämlich Obama eigentlich nichts verändert.

Man müsse in Obamas modifiziertem Raketen-Plan auch die "Klippen unter Wasser" sehen, warnt Dmitri Rogosin. Die seegestützten Anti-Raketen-Raketen, die demnächst vor den Küsten Europas - sei es im Mittelmeer oder auch im Schwarzen Meer - patroullieren sollen, könnten auch sehr schnell vor den Küsten Russlands auftauchen, befürchtet Rogosin.

So nährt denn auch Pentagon-Chef Bob Gates den Verdacht, dass es auch bei dem modernisierten Raketenschirm eigentlich gar nicht um Schutz vor iranischen Kurz- und Mittelstreckenraketen geht.

US-Verteidigungsministerium will Raketenabwehr-Schiffe in Süd- und Nordeuropa


"Wir haben jetzt die Möglichkeit, in Nord- und Südeuropa ein Netz von seegestützten Abwehrsystemen aufzubauen. Das ist der sicherste Schutz vor Bedrohungen aus dem Iran oder von anderen", sagte der US-Verteidigungsminister laut Ria Nowosti.

Damit wiederholt Gates zwischen den Zeilen seine alte Einschätzung, dass Russland (und China) instabil ist und schnell zu einem Schurkenstaat werden könnte.

Russland mag nicht als potentieller Schurkenstaat abgestempelt werden


Tatsächlich wäre eine seegestützte US-Raketenabwehr in Nordeuropa, in der Ostsee oder im Nordmeer wenig hilfreich gegen eine angebliche Bedrohung Europas durch iranische Mittelstreckenraketen.

US-Kriegsschiffe im Schwarzen Meer verändern die Balance der Kräfte dort


Im Schwarzen Meer stationierte US-Kriegsschiffe wären zwar ein möglicher Schutz und Schirm für Israel gegen eine iranische Bedrohung - aber zumindest technisch ebensogut auch potentiell gegen Russland einsetzbar - sei es als gewichtiges Argument bei regionalen Konflikten im Kaukasus oder bei einer möglichen Eskalation des Streites mit der Ukraine um die Halbinsel Krim und die Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte.

Wenig tröstlich ist für russische Militärs denn auch das Angebot Obamas, russische Radar- und Raketen-Systeme in das amerikanische zu integrieren.

In Moskau wird auch darauf verwiesen, dass die USA keineswegs endgültig auf die Stationierung von landgestützten Raketenabwehrsystemen in Polen und Tschechien verzichtet hätten. Diese Pläne seien nur bis 2015 aufgeschoben.

US-Raketenschirm in vier Etappen


Obamas Raketenschirm soll nach den Pentagon-Plänen in vier Etappen aufgespannt werden:

  • bis 2011 seegestützte Einheiten der Abwehrsysteme Aegis und das Radarsystem AN/TPY-2.

  • bis 2015 Dislozierung von see- und landgestützten Abwehrraketen vom Typ SM-3.

  • in weiteren zwei Etappen bis 2018 bzw 2020 weitere Entwicklung der SM-3 und der dazugehörigen Logistik

    Wenn Dmitri Rogosin sagt, die USA hätten mit Obamas neuem Plan keineswegs ihre "globale Hegemonie" aufgegeben und von Zugeständnissen der USA könne keine Rede sein, spricht er sicherlich nicht nur den russischen Militärs aus dem Herzen.

    Für Russland macht es keinen grossen Unterschied, ob US-Radar- und Raketenanlagen nun in Polen und Tschechien sind, oder im Schwarzen Meer, der Ostsee und im Weissen Meer, solange das alte Misstrauen weiter besteht und fortlaufend von den Falken genährt wird.

    Dmitri Medwedew will am 23.September in New York bei einem Treffen mit Obama am Rande des G-20-Finanz-Gipfels über Möglichkeiten eines gemeinsamen, globalen Raketenabwehrsystems sprechen, sagte Medwedew am Donnerstagabend in Moskau. Auf der Tagesordnung steht auch die Verlängerung des START-Vertrages.


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