Wladimir Putin präsentierte sich dabei wieder einmal als starker Mann, volksnah und weitsichtig. Volksnäher und stärker jedenfalls, als Präsident Dmitri Medwedew. Aber Putin deutete nur an, dass der Staat auch versuchen könnte, die heraufziehenden ethnischen Konflikte mit neuen Gesetzen einzudämmen. Wichtiger ist tatsächlich das, was Putin selbst neu begann: ein "Dialog der Kulturen".
Zu dem Fan-Treffen, das im Ministerium für Sport und Tourismus (MinSporTur) begann, erschien Putin überraschend. Eingeladen hatte Sportminister Witali Mutko sowohl russische als auch nord-kaukasische Fanclubs und den Dachverband der Fanclubs.
Putin schlug gleich am Anfang vor, des am 6.Dezember getöteten Spartak-Fans mit einer Schweigeminute zu gedenken. "Der Angriff auf ihn ist ein Angriff auf uns alle, unabhängig von Wohnort, Nationalität oder Relegion. Ein junger Mann, Jegor Swiridow ist ums Leben gekommen. Das ist eine grosse Tragödie."
Spartak-Fans erzwingen mit Randale Aufmerksamkeit Bei einer Schlägerei zwischen einer Gruppe von Spartak-Fans und Kaukasiern am 6.Dezember hatte ein junger Mann aus Kabardino-Balkarien aus nächster Nähe aus einer Pistole mit Hartgummigeschossen auf Swiridow gefeuert.
Weil die Polizei zunächst vier von fünf Mittätern wieder freiliess, hatten Spartak-Fans mit Stadion- und Strassenkrawallen Aufklärung und Bestrafung gefordert - und damit eine Welle von Kundgebungen im ganzen Land ausgelöst, die sich meist gegen Arroganz und Aggressivität von Migranten aus dem Kaukasus und zugleich gegen Untätigkeit der Behörden richteten.
Der Mann, der Swiridow erschossen hatte, habe schon zweimal hinter Gittern gesessen, erzählte Putin den Fans. Einmal wegen Rowdytum und schwerer Körperverletzung, ein zweites Mal wegen Drogenbesitz. Er sei erst 2009 verurteilt worden, darum sei es schon merkwürdig, dass er Ende 2010 in Moskau auftauchen könne, wunderte sich Putin.
Die Kraft des Vielvölkerstaates Russland Die Kraft des Vielvölkerstaates Russland habe immer darin bestanden, dass man sich gegenseitig geachtet habe. "Wenn wir das nicht verstehen", warnte Putin, "wenn wir dauernd wie Verrückte mit dem Federmesser rumlaufen, zerstören wir diese Kraft, bekommen kein grosses Russland, sondern ein von inneren Widersprüchen zerrissenes Land, das auseinanderfällt und von jederman auf die Knie gezwungen werden kann."
Die nationale Vielfalt Russlands sei ein riesiger Vorteil, aber auch eine grosse Gefahr. Die Immunität der russischen Gesellschaft gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit habe in letzter Zeit begonnen, schwächer zu werden.
Nationale Vielfalt ist ein riesiger Vorteil - aber auch eine grosse Gefahr Darum dürften sich sowohl die Fussballfans wie auch die Gemeinschaften der Zugewanderten in Moskau, Petersburg oder anderen Städten nicht vor den Karren von Extremisten spannen lassen. Die "Diaspora" der Migranten müsse auf "ihre Leute" einwirken.
Die Fussballfans seien ein Kraft im Lande, sagte Putin. "Die Fan-Clubs waren immer unabhängig, nur in letzter Zeit versuchen Extremisten, sich an sie anzuhängen."
Gegenseitige Achtung fördern - auch der Kaukasier gegenüber dem Rest Russlands Vielmehr müsse die gegenseitige Achtung gefördert werden. "Ich gebe keinen Groschen für die Gesundheit eines Menschen, der aus Zentralrussland in den Nordkaukasus kommt und dort lästerlich mit dem Koran umgeht", argumentierte Putin. "Aber auch die Menschen aus dem Kaukasus müssen, wenn sie in andere Regionen kommen, die dorige Kultur, Gebräuche und Gesetze achten."
Wenn das allerdings nicht der Fall wäre, "dann müssen wir eben die Melderegeln in den grossen Städten perfektionieren", warnte Putin.
Tatsächlich ist bisher nicht zu erkennen, wie die Achtung und Dialogbereitschaft vor allem in den islamischen Republiken im Nordkaukasus gefördert werden könnte.
Dialog der Kulturen mit Baseballschlägern und Pistolen In ganz Russland häufen sich Fälle, bei denen sich rücksichtslos und oft auch mit brutaler Gewalt vor allem Tschetschenen durchsetzen - für die die Teilrepublik Tschetschenien immer ein sicheres Hinterland und Rückzugsgebiet ist. Dabei handelt es sich oft auch um bewaffnete Vertreter von Staatsorganen.
ein russischer Fernsehjournalist war von einem jungen Tschetschenen im Streit im Moskauer Stadtzentrum erstochen worden. Nach Intervention des Vorsitzenden des "Kongresses der Kaukasusvölker" war der Messerstecher freigelassen worden.
ein tschetschenischer Student der Diplomatenschule MGIMO kurvte mit seinem Jeep durch den Alexandergarten an der Kremlmauer zum Ewigen Feuer am Grab des Unbekannten Soldaten, um seine Freundin zu beeindrucken. Er wurde zu einem Bussgeld von etwa 50 Euro verurteilt.
in einem Ferienlager bei Sotschi entwickelte sich eine Massenschlägerei mit 600 Beteiligten, weil tschetschenische Jugendliche ein junges Mädchen angemacht und dann die Lagerleitung verprügelt hatten.
auf dem Moskauer Autobahnring verprügelte ein tschetschenischer Leibwächter einen Autofahrer, weil der nicht schnell genug Platz gemacht hatte.
ein russischer Wachmann des Einkaufszentrum Europa (Jewropejski) am Kiewer Bahnhof liegt schwer verletzt im Krankenhaus, weil er einen Vertreter der tschetschenischen Staatsanwaltschaft zur Ordnung gerufen hatte; Tage später wurde er brutal zusammengeschlagen.
in Rostow am Don fordern Studenten, zwei inguschetische Kommilitonen zu exmatrikulieren, weil sie einen Mitstudenten erstochen hatten.
Bald gehört uns Moskau und morgen ganz Russland Wenig Begeisterung bei Moskauer Bürgern ruft allerdings auch nicht hervor, was jüngst Schamil Osmanow, ein Sprecher des "Russischen Kongresses der Kaukasusvölker" in der Zeitung "Metro Moskwa - metronews.ru" erklärte:
"Man sollte nicht mit dem Messer durch die Hinterhöfe den Skinheads hinterherlaufen. Um die soll sich die Miliz kümmern. Ich sage unseren Jugendlichen: ihr habt andere Aufgaben. Ihr seid hier, um zu lernen und zu arbeiten. Nach dem Koran könnt ihr vier Frauen haben.
Also heiratet, setzt Kinder in die Welt und arbeitet ehrlich. Dann wird nicht nur Moskau, sondern ganz Russland gehören."
|