Moskau. Die Devisenreserven Russlands haben in der vergangenen Woche erneut um etwa 15 Mrd. Dollar abgenommen. Dies ist der aktuelle Preis für die Stützungsmaßnahmen für den Rubel-Kurs und die Finanzwirtschaft.
Seit dem 1. August hat sich der Staats-Schatz schon um etwa 80 Mrd. Dollar verringert und beträgt jetzt noch 515 Mrd. Dollar. Allein am Mittwoch habe die Zentralbank 4,5 Mrd. Dollar auf den Markt geworfen, um den Rubelkurs zu stützen, berichtet Reuters unter Berufung auf einen Markt-Insider.
Gemeinhin wird Russland zu gute gehalten, dass es aufgrund seiner großen Devisenreserven die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise gut abfedern kann. Hinzu kommen noch die umfangreichen Mittel aus den überbordenden Öl- und Gaseinnahmen, die in der Ära Putin in diverse Stabilitäts- und Zukunftsfonds gefüllt wurden – und die jetzt eilig zum Abzapfen bereit gemacht werden.
Auch eine dramatische Abwertung des Rubelkurses wird für wenig wahrscheinlich gehalten, solange die russische Zentralbank dank ihrer fast unerschöpflichen Mittel hier der marktbestimmende Spieler bleibt.
Der Euro sackt stärker ab als der Rubel
In dieser Woche konnte die Zentralbank mit administrativen wie finanziellen Mitteln die von Ansätzen einer Massenhysterie begleitete Attacke auf den festen Rubel noch abwerten. Die russische Währung sackt zwar momentan gegenüber dem Dollar ab, gewinnt aber ähnlich viel gegenüber dem Euro. Dies spiegelt das fast fity-fifty ausgewogene Verhältnis der beiden Leitwährungen im als Orientierung dienenden Währungskorb wieder.
Allerdings sind viele der jetzt beschlossenen staatlichen Stützungsmaßnahmen für Banken, Realwirtschaft oder den Hypothekenmarkt vom Staat noch gar nicht ausbezahlt. Oder sie werden, wie etwa das 50-Mrd.-Dollar-Paket zur Unterstützung ausländischer Kreditverpflichtungen, so geschickt „verpackt“, dass das Geld weiterhin formal den Devisenreserven zugerechnet werden kann – faktisch aber schon anderswo arbeitet.
Im Juni 2009 wäre die Kasse dann leer
Ohnehin ist das Tempo der Verringerung der Reserven beträchtlich: Schrumpfen sie weiter wie in den beiden letzten Wochen um jeweils 15 Mrd. Dollar, wäre der nationale Sparstrumpf Mitte nächsten Jahres auch leer.
Wenn bis dahin nicht der gegenwärtig wegen Mangels an Treibstoff (sprich: Geld und Vertrauen) stotternde Motor der heimischen Wirtschaft wieder rund läuft, müsste sich Russland auch in die Reihen der akut vom ökonomischen Kollaps bedrohten Länder einreihen.
Aber immerhin: Noch ist der russische Staat reich. Russland hat bedeutend mehr Spielraum als andere Länder in Osteuropa – wie Ungarn, die Ukraine oder Weißrussland, die jetzt schon mit dem Rücken zur Wand stehen.